13.09.1993, Montag.

Nach dem Brigitte und Daniel mich pünktlich gegen 6:00 Uhr am Hauptbahnhof abgesetzt haben, stehe ich nun hier und warte auf Richard.
Endlich taucht er auf, es ist ja auch erst 6:20 Uhr und unser Zug fährt erst um 6:29 Uhr, außerdem brauchen wir nur unsere Räder zu verladen.
Als wir den Schaffner nach dem Gepäckabteil fragen, sagt uns: "Montags gehört nie ein Gepäckwagen dazu, aber es gebe im Waggon, wo auch unsere Sitzplätze sind, ein Stellplatz".

Nachdem wir alles verstaut haben, könnte es nun auch losgehen, doch wir müssen noch auf einen Zubringerzug warten und so fahren wir erst um 6:47 Uhr los. Erreichen dennoch pünktlich nach Fahrplan um 8:31 Uhr Magdeburg und um 11:50 Uhr Rostock. Da wir hier eine Stunde Aufenthalt haben, gehen wir mit unseren Rädern los und versuchen sie in der Gepäckaufbewahrung unter zustellen.
Doch hier verlangt man für das Unterstellen pro Rad den ganzen Tagespreis von 4 DM. Das ist uns für unsere verbleibende 45 Minuten zu viel, da nehmen wir sie lieber mit.
Wir haben Glück, dem Bahnhof gegenüber gibt es einen Imbiss, hier können wir unsere Räder bis an den Tisch mitnehmen. Zu essen gibt es für Richard als Vegetarier jedoch nicht gerade viel, so isst er eine doppelte Portion Pommes mit Ketchup und ich zwei Wiener mit Kartoffelsalat, sowie eine kleine Pizza.

Am Bahnsteig zurück ist auch unser Zug da. Als wir die Fahrräder in das Gepäckabteil geben wollen, gibt es kurze Differenzen mit dem Schaffner, er möchte, dass wir das Gepäck abmachen. Mit einem energischem: "Nein, das dauert Stunden", kann ich es ihm ausreden, doch dafür müssen wir unsere Räder selber in den Gepäckwagen heben, aber das immer noch besser als abbauen.

Pünktlich um 14:01 Uhr treffen wir in Warren, dem Ausgangspunkt unserer Radtour, ein.

Bahnhof-WarenHier gibt es den nächsten kleinen Disput mit einer Bahnbeamtin.
Als wir mit den Rädern über die Gleise wollen, sieht sie uns zwar schon kommen, hat aber anscheinend keine Lust uns das Tor zum überqueren der Gleis zu öffnen. Erst als Richard es selber versucht, ist sie bereit es uns zu öffnen. Dieses jedoch nicht, ohne uns mit zuteilen, dass das öffnen nur den Bahnbediensteten gestattet ist.

Jetzt machen wir uns schnell ein Bild von unserem Ausgangspunkt, dem Bahnhof Müritz, werfen einen Blick auf den Stadtplan und fahren dann in die Altstadt zur Information.

Hier kaufen wir uns eine Landkarte von der östlichen Seite der Müritz und suchen uns ein Café, in dem wir gemütlich bei einem Stück Kuchen die Karte studieren können.

Nun ist es soweit, es geht los.
Wir fahren in Richtung Federow auf einer sehr gut zu befahrenden Straße, was sich jedoch nach Federow in Richtung Schwarzenhof ändert. Jetzt haben wir ca. 2 km Sandpiste hinter uns und erreichen, Gott sei Dank, endlich wieder eine geteerte Straße.

Halb an Schwarzenhof vorbei, sage ich zu Richard: "Wir sind zu weit, wir hätten dort vorne rechts abbiegen müssen." Doch nachdem Richard sich den Weg angesehen hat, streitet er dieses ab und meint: "So ein Feldweg kann es auf gar keinen Fall sein."
Zur Sicherheit fragen wir einen Einwohner und fahren dann genau diesen "Feldweg".

Es dauert nicht lange und der Weg ändert sich, aus dem Feldweg wird ein Weg, der mit Betonplatten belegt ist und diese lassen sich gut befahren. Es gibt zwar alle 2 Meter einen Absatz und dadurch Geräusche wie von Eisenbahnschwellen, aber dafür ist es nicht so anstrengend wie auf Sand zu fahren.

Kurz vor dem Ort Boek machen wir einen Stopp an einem Beobachtungspunkt. Hier treffen wir zwei nette Herren, mit denen wir uns über den See und dessen Sehenswürdigkeiten wie See-, Fischadler und anderes Getier unterhalten.

In Boek angekommen, fahren wir auf einen Campingplatz, doch dieser sagt uns nicht zu und so fahren wir weiter. Auf der Landkarte ist gleich hinter Boek noch ein Campingplatz eingezeichnet und so suchen wir diesen auf.

Hier schlagen wir um 18:30 Uhr, nach 29 km und 2 Stunden reiner Fahrzeit unser Zelt auf. Verstauen unsere Sachen und fahren zurück nach Boek, wo wir im Gasthaus Försterrast etwas essen wollen. Da es uns hier aber zu teuer ist, fahren wir nach einem Bier in das Restaurant Fischerdorf und essen lieber hier etwas.

Als wir das Restaurant gegen 21:00 Uhr verlassen, regnet es und da wir unsere Regensachen im Zelt gelassen haben, kommen wir ziemlich feucht am Campingplatz an.
Erschöpft, vom Radfahren und vom Bierchen trinken, legen wir uns in die Schlafsäcke, doch mit schlafen sieht es schlecht aus, es regnet immer doller, man könnte meinen wir zelten unter einer Dusche und das Rauschen des Meeres ist auch zu hören.


14.09.1993, Dienstag.

Nachdem uns der Regen die halbe Nacht wach gehalten hat, sind wir dann doch irgendwann erschöpft eingeschlafen.

Als wir gegen 8:00 Uhr wach werden, stärken wir uns vorab mit Müsli und O-Saft.

Nun um 9:15 Uhr fährt Richard los, um im nächsten Ort Brötchen zu besorgen. Inzwischen koche ich Tee, bereite unseren Frühstückstisch vor (zwei Steine und eine Trittstufe für Wohnwagen) und schreibe Tagebuch.

Jetzt ist es 10:20 Uhr und ich fange langsam an mir Sorgen um Richard zu machen. Doch kaum mache ich mir darüber Notizen im Tagebuch, taucht er auf. "10 km bis zum nächsten Bäcker", ist die erschöpfte Antwort auf meinen fragenden Blick.
WaldpfuetzenDa wir nun etwas spät mit unserem Frühstück beginnen und wir das nasse Zelt, sowie auch unsere Sachen noch verstauen müssen, kommen wir erst um 12:30 Uhr los, aber das macht nicht, wir haben ja Zeit und auch keine Streckenvorgabe.

Der Weg nach Granzin ist nicht gerade einfach, es geht nur auf festgefahrenen und Pfützen reichen Sandwegen durch den Wald. Da die Strecke so gut wir gar nicht ausgeschildert ist, verfahren wir uns zweimal.
Die weitere Strecke über den ehemaligen Schießplatz ist nicht nur miserabel, sondern eine echte Quälerei. Wir brauchen ca. 45 Minuten für eine Strecke von 2 - 3 km. Da der Schießplatz nur aus lockeren Sand und riesigen Pfützen besteht. Wir sind richtig erfreut, als wir die Straße erreichen, doch leider besteht diese aus grobem Kopfsteinpflaster und so wird der Weg nach Dalmsdorf auch nicht gerade einfach.
Jetzt wo wir nach 3,5 km Dalmsdorf erreicht haben, können wir sagen, dass uns die Sandpisten doch lieber sind.
Um 14:45 Uhr und 18,5 km erreichen wir den Campingplatz Kratzeburg und machen Mittagspause, besprechen wie wir weiterfahren und entschließen wir uns, unsere Strecke um die Müritz zu ändern.
Da hier alle kleineren Wege im Naturpark nur aus Sand oder Kopfsteinpflaster bestehen, wollen wir nur noch auf den großen Straßen fahren.

Nach dieser erholsamen Pause geht es um 15:25 Uhr, dennoch auf einer kleinen Straße, Richtung Langhagen und Blankenförde weiter.
Wie bisher immer besteht die Strecke aus Sand und Pfützen, aber es gibt noch Steigerung der Schikanen, Fruestueckstisches geht fast immer bergauf. So sind wir froh, als wir in Blankenförde nicht mehr auf Kopfsteinpflaster Straße fahren müssen, sondern den Fußweg benutzen können.
Wir nehmen zwar den ganzen Fußweg in Anspruch, aber alle uns entgegenkommenden Fußgänger kennen anscheinend das hiesige Problem mit dem Fahrrad und gehen freundlich zur Seite.

Jetzt ist verwöhnen angesagt, am Ende von Dalmsdorf geht es über eine gut geteerte Straße nach Zwenzow und von hier aus 6 km über einen schönen festen Schotterweg bis Weisensee (Ortsrand von Wesenberg), wo wir um 17:30 Uhr nach 38,5 km (67,5 km) auf dem Campingplatz eintreffen.

Die Vertretung der Campingplatzverwaltung empfängt uns sehr freundlich und als wir nach einer Möglichkeit zum Einkaufen fragen, bietet man uns sogar eine Mitfahrgelegenheit zum Lebensmittelladen im den nächsten Ort an.

Super, das passt, also fahre ich mit, während Richard das Zelt aufbaut.

Zurück vom einkaufen gibt es erst einmal ein ordentliches Abendbrot mit Rüherei, Brot und Pudding als Nachtisch. Danach noch eine Runde „schön warm Duschen“, und so gestärkt gehen wir um 20:00 Uhr hier in der nähe liegenden Gaststätte.
Es wir Schach gespielt, ein bis zwei Bierchen getrunken, doch um 22:00 Uhr ist leider schon Feierabend. Es bleibt uns nur eins, zurück zum Zelt und in unsere Schlafsäcke.


15.09.1993, Mittwoch.

Heute Morgen, als wir um 8:45 Uhr wach wurden, nieselte es nur leicht und manchmal kommt auch die Sonne durch.

Nachdem wir uns gewaschen haben, geht Richard los um Brötchen zu holen, ich decke inzwischen unseren Frühstückstisch und räume die Sachen aus dem Zelt zusammen.
Kaum fertig mit aufräumen, nach knappen 45 Minuten, taucht Richard wieder auf und so können wir endlich mit dem Frühstücken beginnen.
Nicht ganz mit dem Frühstück fertig, verstärken sich meine, bis dahin nur leicht zu spürenden Kopfschmerzen und so lege ich mich noch einmal in das Zelt.

Das-ZeltAls ich nach 15 Minuten wieder aufstehe, haben die Kopfschmerzen sowie auch das Nieseln aufgehört und wir können das Zelt abbauen. Doch zum einpacken ist es noch zu nass, so hängen wir es für die Zeit, in der wir unsere Satteltaschen packen, zum trocknen an ein Spielgerüst.

Um 12:15 Uhr ist das Zelt trocken und wir haben unsere Sachen gepackt. Jetzt können wir aufbrechen, um unser nächstes Ziel – Mirow – zu erreichen.
Die Straße ist gut und wir kommen trotz Gegenwind recht zügig voran und sind um 13:15 Uhr in Mirow.
Da wir nun schon lange unterwegs sind, trinken wir in einem kleinem Cafe etwas warmes und essen jeder zwei Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne.

Gut gestärkt, geht es um 14:15 Uhr weiter, wir erreichen um 15:15 Uhr über die Orte Lärz, Vietzen und Vipperow, unser gesetztes Tagesziel Zielow.
Hier soll es bei der Jugendherberge einen Campingplatz am See geben, doch zu finden ist nichts. Selbst das Nachfragen führt uns erst beim zweiten Anwohner zum Ziel. Nach deren Beschreibung müssten wir noch einige Kilometer weiter fahren und dann in die für uns verkehrte Richtung abbiegen.
So machen wir erst einmal eine Teepause, essen unsere Brötchen und beratschlagen wie es nun weiter geht.

UnterstandUnser Ergebnis:
Wir fahren um 16:00 Uhr weiter nach Röbel, um uns dort einen anderen Campingplatz zu suchen. Gesagt, getan.
Schnell haben wir die Strecke bewältigt und kommen um 16:45 Uhr nach 36,5 km (104 km) in Röbel an einem Campingplatz an.

Nach einer kurzen Einweisung der Rezeption, in die Campingplatzordnung, bauen wir unser Zelt, auf einer umzäunten Wiese, neben einem Holzunterstand auf. Wir haben das ganz starke Gefühl, dass wir hier nicht stehen dürfen, da die Dame von der Rezeption schon Anstalten macht zu uns zu kommen, dreht aber dann doch ab und geht zurück. Meine vorigen Bemerkungen über Campingplatz und Preise haben ihr wahrscheinlich die Lust auf weitere Unterhaltung mit uns genommen.

Mit dem Aufbauen fertig, machen wir uns wie immer auf den Weg in die Stadt, um uns eine Gaststätte zu suchen.

Es ist 18:45 Uhr als wir uns für ein Lokal entschieden haben und einkehren.
Kaum sind wir mit dem Essen fertig, es war übrigens sehr gut, kommen zwei Herren herein. Da ich sie wiedererkenne spreche ich sie an und sage, dass wir uns vom Beobachtungsstand auf der anderen Seite der Müritz her kennen. Nun fällt es ihnen auch wieder ein und so setzen sie sich zu uns mit an den Tisch. Wir verbringen noch eine Weile bei einem gemütlichem Plausch und erfahren, dass die beiden ihren Urlaub hier mit einem Segelboot verbringen.
Kurz bevor die Gaststätte um 21:00 Uhr schließt, laden die Zwei uns für Morgen zu einer Segeltour ein. Begeistert sagen wir zu und verabreden uns für 9:30 Uhr, dann geht es zurück zum Zeltplatz.

Hier angekommen holen wir unser Schach und setzen uns auf die Terrasse der Campingplatzkneipe. Gegen 22:00 Uhr ist dann aber Feierabend und es geht ab ins Zelt.
Kaum liegen wir in den Schlafsack, da hören wir Stimmen vom Campingplatzbesitzer. Er sagt uns, dass wir doch morgen das Zelt woanders aufbauen möchten, da diese Wiese nicht zum zelten gedacht sei. Natürlich sagen wir zu und können nun um 22:30 Uhr endlich in Ruhe schlafen.


16.9.1993, Donnerstag.

Frühes Aufstehen um 8:00 Uhr, denn wir sind ja verabredet. Es hat heute Nacht nur getröpfelt und wir hoffen, dass es tagsüber beim Boot fahren, auch so bleibt.
Unterstand-2Gemeinsam gehen wir zu den Duschen, für deren Benutzung wir hier auf diesem Campingplatz zum ersten Mal bezahlen müssen. Es kostet 1,- DM für 4 Minuten, was nicht gerade billig ist, aber dafür sind die Duschräume schön sauber und das Wasser schön warm.

Jetzt, wo wir mit unserer Morgentoilette fertig sind, geht Richard Brötchen holen. Dieses Mal hat er es nicht weit, wir konnten die Brötchen am Vorabend in der Rezeption bestellen. Ich gehe inzwischen schon zurück zum Zelt und koche für uns Tee und bereite den Frühstückstisch vor.
Während des frühstückens werden wir nochmals auf das Umstellen des Zeltes hingewiesen. Wie am Abend zuvor sagen wir zu, dieses zu tun. Nur müssten wir das auf den Abend verschieben, da wir für jetzt eine Verabredung haben. Da man uns dieses noch gestattet, waschen wir noch schnell ab und dann ist es auch Zeit los zu fahren.

Etwas unpünktlich um 9:45 Uhr kommen wir am Boot an. Hier hat man schon auf uns gewartet und ist zum starten bereit. Schnell schließen wir unsere Räder an, ziehen unsere Schuhe aus und gehen an Bord. Als wir ablegen, ist es bereits 10:00 Uhr.
Auf-dem-BootEs ist schon interessant zu sehen was die Beiden alles tun müssen, damit wir vom Steg weg kommen. Bis jetzt ist noch kein Wind zu spüren und so fahren wir mit Motorkraft, ganz gemütlich und ruhig, bis nach Waren. Nach 16,5 km legen wir um 13:00 Uhr im Hafen an.
Hier bummeln wir durch die schön restaurierte Altstadt, die man zur Fußgängerzone gemacht hat. Besuchen ein Stehcafe und stärken uns mit Kaffee und Kuchen, danach noch ein Eis und schon geht es zurück zum Hafen. Hier gibt es Fischerboote von den man direkt frischen Fisch kaufen kann. So kaufen wir uns zum Abendbrot geräucherten Barsch und für den sofortigen Verzehr ein Brötchen mit Aal.
14:45 Uhr, wir sind wieder zurück an Bord und legen ab. Dieses Mal mit vollen Segeln, denn der Wind hat aufgefrischt und so machen wir mit 5 Knoten gute Fahrt.

Da der Wind direkt von hinten kommt, ist die Fahrt zwar schnell aber auch ruhig und so zeigt man uns wie es auch sein könnte. Wir machen eine kurze Wende und fahren dann quer zum Wind. Es macht richtig Spaß als sich das Boot so auf die Seite legt und wir fast nasse Füße bekommen. Doch auch dieser Spaß hat mal ein Ende und so landen wir um
17:00 Uhr wieder im Hafen von Röbel.
Nach einem kurzen Abschied und "Danke, es hat uns viel Spaß gemacht", geht es zurück zum Campingplatz.

Hier wird unser Barsch zum Abendbrot gegessen und dann nach einem weiteren Hinweis auf unseren Standplatz, wird auch das Zelt umgebaut. Da der Abend erst begonnen hat, wollen wir uns noch irgendwo in ein Lokal setzen, um etwas zu trinken und gemütlich Schach zu spielen.

Gegen 20:00 Uhr haben wir endlich etwas gefunden. Die anderen Lokale waren uns zu nobel oder sie waren geschlossen. Richard bestellt sich einen „Cappo“ und ich mir einen Wodka-Lemon. Als ich skeptisch nach der Wodkasorte frage, sagt der Wirt: "Leider habe ich keinen Wodka und so habe ich eben Korn genommen". Was es nicht alles gibt, man gut dass ich gefragt habe.

Kurz nach 23:00 Uhr, wir sind auf dem Weg zurück zum Zelt, da rutscht mir während der Fahrt, das Schachspiel aus der Jackentasche und verteilt seinen Inhalt gleichmäßig auf dem nassen und dunklen Kopfsteinpflaster.
Nach 15 minütiger, vergeblicher Suche, geben wir auf und entschließen uns, den fehlenden Springer und Bauer, morgen im hellen zu suchen. So endet dieser Abend gegen 23:45 Uhr.


17.9.1993, Freitag.

Wir hätten nicht soviel „Cappo“ und Korn trinken sollen, denn so ist es eine unruhige Nacht geworden, in der Richard zweimal und ich einmal das Zelt verlassen mussten.

Unseren letzten Tag lassen wir, trotz frühem Aufstehen, um 8:00 Uhr gemütlich angehen. Da das Wetter viel versprechend aussieht, lassen wir uns Zeit und gehen erst einmal duschen. Hängen danach das Zelt, zum trocknen, an einen Baum und fangen nach einem richtig gutem Frühstück an unsere Satteltaschen zu packen.

Mit allem fertig geht es um 11:30 Uhr unserem Endziel Waren entgegen.

Das erste Stück ist etwas schwierig, aber dann haben wir den richtigen Weg erwischt und nun geht es zügig über Gotthun, WaldwegZierzow, Sietow Dorf nach Klink.
Hier beim Schloss von Klink machen wir unsere letzte Rast bei Tee und Brötchen. Weiter geht es und wir erreichen um 14:45 Uhr nach 29,2 km (133,2 km) Waren.

Bis zu Abfahrt unseres Zuges haben wir noch Zeit. An einem Imkerstand machen wir unsere Räder fest, bummeln über den Wochenmarkt, trinken am Bäckerstand einen Kaffee und essen Kuchen.
Beim zweiten Gang über den Wochenmarkt kaufen wir noch Käse und Brötchen als Verpflegung für unsere Bahnfahrt.
Immer noch genügend Zeit bis zur Abfahrt, gehen wir durch die Fußgängerzone zur Eisdiele, essen ein Eis, trinken im Stehcafe einen Kaffee und machen uns dann langsam auf den Weg zu unseren Fahrrädern. Hier decken wir uns mit Honig ein und fahren danach zum Bahnhof.
Die Zeit will nicht vergehen und so verbringen wir die restliche Wartezeit, in der Bahnhofshalle, mit Tee kochen und Schach spielen.

Um 17:41 Uhr ist es dann so weit, der Zug fährt ab. Umsteigen um 18:14 Uhr in Güstrow und um 18:42 Uhr in Bützow.

An unseren letzten Umsteigepunkt in Magdeburg um 21:41 – 22:21 Uhr versucht man uns zum Abbau der Satteltaschen zu bewegen. Da wir nun aber langsam Erfahrung im Umgang mit Bahnbediensteten haben, ist es für uns kein Problem die Schaffnerin zu überzeugen, dass es besser ist die Taschen dran zu lassen.
Wir dürfen nicht nur das, sondern sie schließt uns nach freundlichem bitten sogar noch ein für Rollstuhlfahrer spezielles reserviertes Abteil auf. So haben wir ein schönes großes Abteil für uns alleine und sind außerdem gleich neben dem Gepäckabteil bei unseren Rädern.

Pünktlich um 23:54 Uhr fahren wir im Hauptbahnhof von Hannover ein. So sind wir nach 113,42 Stunden und 133,2 Fahrradkilometern wieder zu Hause.