Bei unserer Fahrradtour stand mit Sicherheit fest, dass sie durch die Niederlande gehen sollte.

Wir planten unsere Tour als erstes durch die südliche Niederlande, entlang der deutschen Grenze, bei unserem zweiten Plan, ging sie durch die Mitte der Niederlande und bei unserer dritten Strecke, wollten wir dann, durch den nördlichen Teil der Niederlande fahren.

Wir wollten mit dem Zug bis nach Emden fahren, hier mit der Fähre über die Ems oder den Dollart setzen, um dann von dort nach Groningen in die Niederlande zu gelangen. Doch dann mussten wir feststellen, dass es überhaupt keine Fährverbindung über die Ems oder den Dollart gab. Uns blieb nichts anderes übrig als noch ein viertes Mal unsere Strecke auszuarbeiten.
Nun ist es nach mehrmaliger Urlaubsverschiebung und Streckenänderung endlich so weit, heute soll unsere Fahrradtour losgehen.


01.09.1995 Freitag.

Das fängt ja gut an, es regnet. Wie wird das wohl erst während der Radtour werden?
Etwas nass komme ich direkt von der Arbeit, um 14:25 Uhr am Hauptbahnhof an und muss zu meinem Erstaunen feststellen, das Richard schon da ist, letztes Jahr kam er erst zur Abfahrt des Zuges.
Nachdem wir jetzt, um 14:55 Uhr, mit 8 Minuten Verspätung abfahren, haben wir genügend Zeit um uns zu entspannen, etwas zu lesen oder um auch ein kleines Nickerchen zu machen. Für unser leibliches Wohl ist auch gesorgt, Richard hat ein paar belegte Brötchen und ich habe schwarzen Tee mitgebracht. Der Tee war erstaunlicher Weise noch warm, obwohl er von heute Morgen 6:00 Uhr war.

Das erste Mal müssen wir in Deventer umsteigen, hier treffen wir mit gut einer halben Stunde Verspätung um 18:10 Uhr ein, die Abfahrt ist dafür pünktlich, wir verlassen um 18:19 Uhr Deventer.
Leider haben die Züge in den Niederlande keine Platzreservierung und so sitzen wir in einem größeren Gepäckabteil mit unseren Fahrrädern und sechs weiteren Fahrgästen. Doch nur für 20 Minuten, dann erreichen wir Zwolle unseren zweiten und letzten Umsteigepunkt, aber auch hier haben wir nicht mehr Glück. Es gibt keinen guten Stellplatz für die Fahrräder, keine Sitzmöglichkeit, aber dafür wieder 10 Minuten Verspätung bei der Abfahrt.

Um 20:07 Uhr erreichen wir, später als geplant Groningen.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit wird die Zeit knapp und bis zum Campingplatz sind es noch einige Kilometer, darum fahren wir auch gleich los, quer durch die Stadt in Richtung Aduard.

Gegen 21:00 Uhr haben wir unser Ziel, den Campingplatz bei Nieuwklap erreicht. Jetzt schnell das Zelt aufgebaut, bevor es total dunkel ist und dann geht es ab in die Gaststätte.
Hier ist der Bär los, alle Tische sind besetzt und uns bleibt nur der Platz an der Theke. Später, bei einigen Bierchen und Käsehäppchen erfahren wir von der Wirtin, dass es sich bei den Gästen, um Doppelkopfspieler handelt, die sich hier zweimal pro Woche treffen.
Als es Zeit wird in unser Zelt zu gehen, bekommen wir von der Wirtin noch ein Bier ausgegeben, aber dann geht es ab ins Bett.

  Tagesdaten: 9,77 km 0:53 Std.


02.09.1995 Samstag.

Aufstehen um 08:00 Uhr und erst einmal ausgiebig duschen. Frühstücken ist heute Morgen jedoch noch nicht drin, denn wir hatten noch nicht die Gelegenheit gehabt etwas einzukaufen. Also wird jetzt das Zelt abgebaut und die Satteltaschen gepackt. Dabei passiert es, nicht nur das mir zu Hause meine Satteltasche beim packen kaputt gegangen ist und ich mir eine von meinem Bekannten, Dieter ausleihen musste, nein jetzt reißt mir auch noch diese Satteltasche. Doch ich habe Glück, es ist nur die Naht und ich kann sie mit einer Sicherheitsnadel so fixieren, dass sie nicht weiter aufreißt.
Nachdem nun alles gepackt und verstaut ist, können wir um 09:37 Uhr abfahren, wie üblich im leichten Regen.

Es ist jetzt 10:20 Uhr und wir haben in Aduard in einem Supermarkt endlich etwas Milch und Butter zum Frühstücken einkaufen können. Beim Bäcker werden frische Brötchen besorgt und beim Schlachter (kaum zu glauben) etwas Käse gekauft.
Räder vor dem Supermarkt Jetzt haben wir alles, aber da es noch regnet, kommen wir immer noch nicht zum Frühstüchen, sondern müssen erst einmal eine geeignete Stelle zum unterstellen finden.

Um 10:55 Uhr nach 9 Kilometer Fahrt haben wir etwas passendes gefunden, es ist zwar nur ein kleines Bushäuschen, aber immerhin sind wir hier ein wenig geschützt. Wir stehen im Trockenen, kochen Tee und schmieren uns Brötchen. 25 Minuten später fahren wir weiter, es regnet immer noch.
Es ist nicht auszuhalten, es regnet immer stärker, also stellen wir uns 10 Minuten und einige Haltestellen später, wieder in einem Bushäuschen unter.
Nachdem wir schon 40 Minuten warten, das es aufhört, wird der Regen jetzt langsam schwächer, es nieselt nur noch und wir fahren weiter.

Kurze Zeit später hat es ganz aufgehört zu regnen und wir erreichen um 12:45 Uhr den Ort Wehe-Den-Hoorn im trockenen. Hier frage ich in einem Fahrradgeschäft nach Satteltaschen und nach einem Radfahrerhosenband (Fahrradklammer als Band mit Klettverschluss), doch sie haben weder das Eine noch das Andere.

Den ersten Blick auf das Meer, das Lauwersmeer, haben wir um 13:15 Uhr zwischen den Orten Vierhuizen und Lauwersoog.
Eine halbe Stunde später sind wir auf dem Campingplatz bei Lauwersoog. Hier machen wir eine etwas längere Pause und hängen bei einem Restaurant / Cafe unser Außenzelt, sowie unsere Handtücher zum trocknen über ein paar Stühle. Als wir dann noch unser Innenzelt, bei der Terrasse, an zwei Bäumen aufhängen wollen, ist die Bedienung sofort da und meint, dass das doch wohl etwas zu weit ginge. Wir sollten das Zelt doch lieber auf dem Campingplatz an ein paar Bäumen aufhängen. Natürlich sind wir einsichtig und verstehen dieses, also nehmen wir unser Innenzelt und die Handtücher, um sie auf dem Campingplatz aufzuhängen.
Dann gehen wir zum Cafe zurück. Hier warten wir bei einer schönen heißen Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen, das unsere Sachen trocken werden.

Als wir um 14:55 Uhr gut erholt sind, packen wir das nun halbwegs getrocknetes Zelt zusammen und machen uns auf den weiteren Weg.

Es ist 16:40 Uhr und wir sind kurz vor dem Ort Paesens. Hier erreichen wir die Mühle De Hondt und sehen das sie geöffnet hat und in Vor der Mühle Betrieb ist. Es gehen auch gerade einige Leute hinein und wir wollen uns diesen Leuten anschließen, um uns die Mühle mal anzusehen. Da die Leute mit denen wir zur Mühle gehen Deutsche sind, kann der Müller uns die Mühle wunderbar in deutsch erklären. Es ist sehr interessant eine Mühle mal von innen zu sehen und zu erfahren, was es über eine Mühle zu berichten gibt.
Er erkärt uns, dass es sich bei dieser Mühle um eine Getreidemühle* handelt und dass in ihr auch noch gelegentlich Getreide gemahlen wird. Jedoch wird sie heute größtenteils als Ausstellungsstück, zur Besichtigung und als Lehrstätte für Ausbildungszwecke genutzt.

Als die Besichtigung um 17:15 Uhr beendet ist, geht es nach einer kleinen Spende, zum Erhalt der Mühle, in Richtung Nes weiter.

*(Getreidemühlen erkennt man an der Höhe der Mühle, Mühlen zur Entwässerung würden auf freiem Gelände stehen und brauchten deshalb nicht so hoch gebaut werden).

17:50 Uhr, wir erreichen wir über die Dörfer Hantumhuitzen und Hantumerhoek, die etwas größere Stadt Dokkum. Hier wollen wir übernachten und suchen den Campingplatz in der Stadtmitte auf. Er ist schön gelegen und macht auch einen ordentlichen Eindruck. Wie wir am Ende unserer Reise feststellen mussten, war dieses auch der ruhigste Platz der gesamten Reise.
Beim aufstellen des Zeltes haben wir die Auswahl und darum dauert es auch etwas länger bis wir den richtigen Stellplatz, für das Zelt gefunden haben. Kaum steht das Zelt muss Richard in die Hinterlassenschaft eines Hundes treten und das genau hinter unserem Zelt. Das ist zu dicht, also bleibt uns nichts anderes übrig, als das Zelt noch einmal umzustellen.

Endlich um 19:00 Uhr ist es geschafft, wir können losgehen und uns die Stadt anzusehen.
Es handelt sich um einen Ort mit einer schöne Innenstadt, mit viele kleinen Geschäften und einigen kleinen Lokalen. Wir hörten das Heute ein großer Flohmarkt in der Stadt war und jetzt am Abend wird in vielen Lokalen Bands live Musik gespielt.

Da unser Hunger jetzt groß genug ist, haben wir uns, um 20:00 Uhr eine Pizzeria ausgesucht in der wir zu Abend essen werden.

Zurück beim Zelt wird sich noch schnell gewaschen und schon ist der Tag um 23:00 Uhr, für uns vorbei.

  Tagesdaten: 66,51 km 7:50 Std.
  Tourdaten: 76,28 km 8:43 Std.


03.09.1995 Sonntag.

Der Tag fängt um 08:30 Uhr an und wie wir bis zum Abend feststellen mussten, mit etlichen Pannen und Problemchen.
Schon bei Tee kochen fängt es an. Ich vergesse tausend Sachen, die Gaskartusche ist leer und als wir das Zelt abbauen, stellen wir fest, dass das Zelt innen, vom Kondenswasser, ziemlich nass ist.
Als wir gegen 10:50 Uhr alles getrocknet und verstaut haben geht es weiter. Es ist nicht zu glauben jetzt fängt es wieder an zu nieseln.
Auf dem Weg 12:30 Uhr, unser Weg führt uns über Zwaagwesteinde und Bergum nach Garyp.
Da der Regen aufgehört hat wollen wir uns hier einen Platz für eine kurze Teepause suchen, doch es ist keine Parkbank oder andere Sitzgelegenheit zu finden.
Während Richard noch sucht, fragt mich ein Pfarrer, vor dessen Haus ich stehe, ob er mir helfen kann. Ich lehne dankend ab und sage ihm, dass wir nur einen Platz suchen an dem wir eine kurze Pause machen können. Wie man sich denken kann ist dieser Mensch nicht umsonst Pfarrer geworden und so lädt er Richard und mich zu einer Tasse Kaffee zu sich nach Hause ein. Dort bekommen wir, nachdem wir seine Frau und seinen Sohn kennen gelernt haben, nicht nur Kaffee sondern sogar noch etwas Kuchen angeboten.

Trotz der angenehmen Unterhaltung mit dem Pfarrer und seiner Familie, können wir uns hier nicht den ganzen Tag aufhalten und fahren um 13:20 Uhr weiter.
Gut das wir ordentlichen gestärkt sind, denn die Strecke von Garpy nach Grouw, die wir jetzt um 14:35 Uhr hinter uns haben, war wirklich Kräfte zerrende. Der Wind hat es mit uns nicht gut gemeint, sondern immer gegen uns gearbeitet und versucht uns zurück zuschieben.
Deshalb haben wir uns in Grouw auch eine kleine Erfrischung verdient und genehmigen uns, nach einem kurzen Bummel durch die Innenstadt, an einer Eisdiele einen Milchshake.
Im Cafe 20 Minuten reichen als Pause, wir fahren weiter, natürlich mit Gegenwind.
Wir fahren über Irnsum und müssen kurz vor Akkrum nach rechts biegen. Das ist gut, denn dadurch wechselt unsere Fahrtrichtung und wir haben endlich keinen Gegenwind mehr.

Nach einer der vielen Hebebrücken erreichen wir den Ort Terhorne. Es ist 15:50 Uhr und gleich hier am Ortseingang passiert es, ich verliere die Fahrradkette.
Es ist nicht zu glauben, ich habe den Verschluss vom Kettenschloss verloren und dadurch geht die Kette immer auf und fällt ab. So sehr wir auch suchen, der Verschluss ist nicht zu finden.
Ein Fahrradgeschäft gibt es hier nicht, helfen kann uns keiner und dazu ist es auch noch Sonntag. So versuchen ich ohne den Verschluss zu fahren. Doch nachdem sich das Schloss, das dritte Mal geöffnet hat und die Kette ab fiel, habe ich keine Lust mehr und benutze das Fahrrad lieber als Roller.
Das ist sehr anstrengend, darum beschließen wir, das Richard in die nächste größere Stadt (Joure) vor fährt und dort versucht, bei einem Fahrradladen jemanden heraus zu klingeln, um ihn nach einem Kettenschloss zu fragen. Ich werde inzwischen langsam hinterher rollern und mich dann, am Ortseingang, wieder mit Richard zutreffen.

Um 17:10 Uhr treffe ich mit meinem "Roller", nach anstrengenden 8 Kilometern, am Stadtrand von Joure ein, werfe einen kurzen Blick auf den hier ausgehängten Stadtplan und da taucht auch schon Richard auf. Er ist sehr erstaunt mich schon hier zu sehen, demnach muss ich schneller gerollt sein als er erwartet hat.
Er hat zwar ein Fahrradgeschäft gefunden, doch heraus klingeln konnte er niemanden und so habe ich immer noch kein Kettenschloss. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als nach dem nächsten Campingplatz Ausschau zu halten und dann morgen, während der Geschäftszeiten ein Schloss zu kaufen.

Auf unseren Landkarten ist in der Nähe kein Campingplatz zu sehen, deshalb fragt Richard eine Frau, ob es hier einen Campingplatz gibt. Sie meint hier würde es nichts geben, doch wir sollten am Jachthafen einmal Nachfragen, die hätten Duschen und Toiletten, vielleicht können wir dort eine Nacht campen.
Um nicht weiter rollern zu müssen, setze ich mich ins Gras, trinke eine Tasse Tee und schreibe unser Tagebuch. Inzwischen fährt Richard kurz zum Jachthafen, um nach einer Übernachtungsmöglichkeit zufragt.

Um 17:45 Uhr stoppen wir im Stadtkern, ich setze mich in eine Gaststätte, trinke eine Cola und lass Richard auskundschaften ob es in Richtung Sint Nicolaaga einen Campingplatz gibt.
10 Minuten später ist er dieses Mal mit der guten Nachricht zurück, es gibt dort einen Campingplatz.
Micha am Rad Knappe 500 Meter gefahren, kommen wir an einem offenen Werkstattwagen vorbei. In ihm sind zwei Fahrräder und jede Menge Werkzeug zu sehen. Kurzer Hand beschließt Richard den Besitzer nach einem Kettenschloss zu fragen. Glück gehabt, er geht in seinen Werkstattwagen und findet doch tatsächlich ein Kettenschloss. Wir erwerben dieses für 1 Gulden (ca. 90 Pfennig) und bauen es ein.
Als wir weiter wollen, schaffe ich jedoch nicht eine Umdrehung mit der Kette, das Schloss ist zu breit und passt nicht durch den Kettenspanner. Wir müssen noch mal zu den guten Mann zurück, um mein altes Schloss wieder aus seiner Ersatzteilkiste raus zu suchen. Dann versuchen wir, auf das alte Schloss, den neue Verschluss zu montieren und siehe da, er passt. So geht die Kette nun endlich auch durch den Kettenspanner. Jetzt muss ich nur noch meine total verschmierten Hände reinigen und dann geht es um 18:20 Uhr weiter.
Wie sich später heraus stellte, wäre es besser gewesen mit schmierigen Händen zu fahren, wer weiß was das für ein Reinigungsmittel war, ich habe noch Wochen danach trockene und aufgesprungene Hände.

Nach 20 Minuten erreichen wir den Ort Sint Nicolaaga, hier soll laut Karte der gesuchte Campingplatz sein, doch wir sind zu weit gefahren. Der Campingplatz ist irgendwo kurz vor dem Ort. Wir drehen um und fahren bis zur letzten Kreuzung zurück und dann in Richtung Langweer.

Um 19:00 Uhr haben wir es geschafft und finden endlich den Campingplatz.
Er ist groß, doch im Augenblick ziemlich leer, wieder haben wir die wahl.

Beim abbauen der Satteltaschen schaffe ich es, dass mir die Gepäckspinne in die Speichen kommt und sich dort verheddert. Es ist eine echte Quälerei die Spinne wieder heraus zu bekommen.
Nachdem dieses geschafft ist und wir mit dem Aufbau des Zeltes fertig sind, wollen wir erst einmal duschen gehen, müssen jedoch feststellen, dass man aus Mangel an Campern, die Herrenduschen und Toiletten abgeschlossen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als in den Räumlichkeiten der Damen zu duschen.
Nach dem duschen und dem anstrengenden Tag sind wir richtig hungrig, doch zum kochen fehlt uns die Lust, außerdem ist es schon spät. Deshalb wollen wir, trotz unser knappen Finanzen (gerade mal 50 Gulden) ins angrenzende Restaurant gehen.
Auf dem Platz Unsere Enttäuschung ist groß! Heute ist Ruhetag, was nun? Es ist schon 21:00 Uhr und irgend etwas müssen wir essen.
Wir beschließen, trotz der späten Stunde, noch nach Sint Nicolaaga zu fahren um dort ein Restaurant zu finden, indem wir etwas zu Essen bekommen.

Sint Nicolaaga ist nur ein kleiner Ort, hier gibt es nicht all zu viele Gaststätten oder Restaurants und die, die es hier gibt sagen uns nicht zu. Sie sind alle zu dunkel und den saubersten Eindruck machen sie auch nicht.
Uns bleibt nur der Chinese, den wir an Ortseingang gesehen haben, doch hier könnte es mit unserem Bargeld etwas knapp werden. Zur Sicherheit haben wir aber eine Kreditkarte und damit kann man bei den meisten Restaurant bezahlen.
Nach dem Essen und dem Erhalt der Rechnung stellen wir fest, unsere Gulden reichen nicht, also Kreditkarte. Doch Richard entschließt sich, mich einzuladen und bezahlt mit DM.
Bevor wir gehen, spielen wir noch unsere abendliche Runde Schach und fahren danach zum Campingplatz zurück.
Gegen 23:00 Uhr geht es ins Zelt zum schlafen.

  Tagesdaten:   68,46 km   8:00 Std.
  Tourdaten: 144,74 km 16:43 Std.


04.09.1995 Montag.

08:00 Uhr aufstehen. Es hat heute Nacht wider erwarten geregnet und das, obwohl der Himmel beim nach Hause kommen so klarer war.
Jetzt ist es trocken und Richard fährt ins Dorf um Brötchen und Milch zu holen, ich koche inzwischen unseren Tee.
Eine Stunde später können wir mit dem Frühstücken anfangen und danach wird alles zusammen gepackt.

Langer Weg Gegen 10:10 Uhr sind wir abfahrt bereit, auf geht es.
Doch halt, jetzt bricht der Regen los, wir müssen unseren Start verschieben und stellen uns mit unseren Rädern einfach unter ein Vorzelt, das sich in unserer Nähe befindet. Nach 10 Minuten ist die Wolke vorbei gezogen und es hört auf zu regnen.
Zweiter Versuch, wir fahren los, doch schon um 10:40 Uhr müssen wir wieder für 10 Minuten unsere Fahrt unterbrechen, anscheinend haben wir die Wolke eingeholt.

Lemmer erreicht wir um 11:15 Uhr. Hier kaufen wir ein wenig frisches Obst und einige Getränke, finden ein gemütliches Cafe und genehmigen uns eine Tasse Kaffee und Schokolade, sowie je ein Stück Kuchen.
Als wir um 12:05 Uhr Lemmer verlassen ist es trocken aber windig.über den Ort Bant erreichen wir die Stadt Emmerloord, wo wir um 13:00 Uhr zur Entspannung unseres Gesäßes, einen Bummel durch die Einkaufspassage machen. In einem Fahrradgeschäft finde ich endlich mein Radfahrerhosenband, die haben anscheinend alles, hier gibt es sogar Speichenreflektoren mit Batmanemblem.

13:45 Uhr, wir sind auf dem Weg nach Nagele. Doch kurz vor dem Ort fängt es so stark an zu regnen, dass uns nichts anderes übrig bleibt, uns Schutz unter ein paar Bäumen zu suchen. Nun haben wir Zeit einen Tee zu trinken und uns die nächste Etappe auf der Landkarte anzusehen.

Hier stehen wir gerade ein paar Minuten und genießen unseren warmes Tee, da kommen zwei Schuljungen und gesellen sich zu uns, auch sie suchen Schutz vor dem Regen. Als wir mit ihnen ins Gespräch kommen erzählen sie uns, dass sie gerade von der Schule kommen. Sie müssen jeden Tag zwischen 10 bis 15 Kilometer von ihrem Wohnort bis zur Schule nach Emmeloord fahren.
Zur Freude des einen Jungen komme sein Vater mit dem Auto ihm entgegen um ihn abzuholen, der andere Junge zieht sich seine Regensachen an und fährt den letzten Kilometer mit dem Rad zurück.
Jetzt stehen wir schon eine Stunde hier, doch endlich ist es so weit, auch wir können weiter, es hat aufgehört zu regnen.

Gut das iwr eine so lange Pause einlegen mussten, nur so war wohl das schwerste Stück der bisherigen Strecke zu schaffen, der Weg auf der Brücke zwischen dem Ketelmeer und dem Ijsselmeer. Ansterengend war nicht das bergauf fahren, nein, am schlimmsten war der starke Gegenwind. Es ist jetzt 15:25 Uhr und ich mache mir gerade Notizen über diesen schwierigen Abschnitt unserer Reise, da fliegt mir irgend etwas ins Auge. Trotz aller Bemühungen es wieder heraus zu bekommen schaffe ich es nicht und will ich im nächsten Ort lieber zum Arzt aufsuchen.

Mit stechenden Schmerzen im Auge erreichen wir um 16:00 Uhr den Ort Swiferbant. Jetzt heißt es nur noch einen Arzt zu finden.
Wir haben Glück, ein Hinweisschild zeigt uns den Weg zum Gesundheitszentrum. Es handelt sich dabei um ein kleines Krankenhaus. Knapp 15 Minuten später hat man mir den Fremdkörper aus meinem Auge geholt. Um was es sich gehandelt hatte konnte der Arzt mir nicht sagen, wahrscheinlich war es nur ein Sandkorn. Egal endlich kann ich wieder richtig gucken und so fahren wir auch gleich weiter, denn wir haben noch ein ziemlich weites Stück vor uns.

. Als wir Biddinghuizen erreichen, ist es schon 17:30 Uhr. Dennoch wollen wir uns hier erst einmal etwas zu Essen machen. Wir suchen uns in der Stadt ein ruhiges Plätzchen und machen uns eine Dose Bami Goren auf.
Während ich das Essen warm mache geht Richard zum Lebensmittelladen und holt uns ein paar Brötchen. Kaum ist das Essen auf dem Kocher schon fängt es an zu regnen. Doch da es wieder aufhört, können wir im Trocknen essen. Kaum fertig mit dem Essen, fängt es noch mal an zu regnen, dieses Mal etwas kräftiger.
Zum Schutz vor dem Regen stellen wir uns, wie schon des öfteren, in ein Wartehäuschen.

Als es um 18:20 Uhr endlich aufhört und die Sonne durchbricht machen wir uns auch gleich auf den Weg. Durch die lange Regenunterbrechung ist es wieder einmal ziemlich spät geworden und wir müssen uns beeilen, denn bis zum Campingplatz bei Harderwijk sind es noch 18 Kilometer.

Nach einem sehr langen und anstrengenden Weg am Veluwemeer entlang, wie gewöhnlich ist der Wind gegen uns, erreichen wir den Campingplatz kurz vor Harderwijk, es ist 19:30 Uhr.
Richard beim essen Da wir über einen Nebeneingang auf den Campingplatz gelangt sind, sehen wir keine Rezeption. Wir suchen wir uns einfach in der Nähe der Duschen einen schönen Stellplatz und bauen unser Zelt auf.
Jetzt erkunden wir die Sanitäranlagen und stellen fest, dass die Toiletten und auch die Duschen sauber sind. Besonders erfreut sind wir darüber, das es ohne irgendwelcher Duschmarken warmes Wasser, Das muss ausgenutzt werden und darum gehen wir auch erst einmal ausgiebig duschen, und danach wird auch noch den Rest des Campingplatzes erkunden.

Wir entdecken auf der anderen Seite des Dammes eine Telefonzelle, einen Lebensmittelladen, eine Minigolfanlage, ein Schwimmbad und die Rezeption. Jetzt ist es aber zu spät und wir haben auch keine Lust mehr uns zu Melden, vielleicht Morgen.

Doch telefonieren wollen wir noch, wir versuchen es mal wieder, wie schon so oft. In allen Zellen steht, man soll für den Internationalen Ruf die 09 wählen, doch das Klappt einfach nicht, immer ist nur ein Besetztzeichen zu hören.
Da ich in einer anderen Zelle aber mal gelesen habe, das man die 00 als Internationalen Ruf wählen soll, versuchen wir es dieses Mal damit und siehe da es klapp. Nun kann Richard sich bei Ulla melden und Brigitte wird froh sein endlich etwas von mir zuhören.
Jetzt nachdem das Telefonieren geklappt hat, können wir beruhigt in die Hafengaststätte gehen, etwas Schach spielen, ein Baguette essen und 2, 3 Bierchen trinken.
Gegen 23:00 Uhr ist aber Feierabend und wir gehen in Zelt zum schlafen.

  Tagesdaten:   84,10 km   9:35 Std.
  Tourdaten: 228,84 km 26:18 Std.


05.09.1995 Dienstag.

Heute werde ich gegen 08:30 Uhr wach, Richard schläft noch, wahrscheinlich ist Richard noch von den Bieren gestern Abend müde.
Ich stehe schon auf, mache mich frisch und gehe zu dem Lebensmittelladen, den wir gestern in der Nähe der Rezeption gesehen haben.
Hier gibt es alles was wir brauchen. Ich kaufe frische, warme Feierabendbrötchen, Butter und Milch, dann geht es zurück zum Zelt, jetzt noch schnell Tee gekocht und da Richard inzwischen aufgestanden ist, können wir gleich mit einem gemütlich Frühstück beginnen.
Um 10:30 Uhr sind wir mit dem Frühstücken und Packen fertig, jetzt können wir, etwas später als Gestern, starten. Als wir den Campingplatz schon einige Kilometer hinter uns haben, fällt uns ein, wir haben doch glatt vergessen zu bezahlen! Na, macht auch nichts, wir bezahlen dann eben das nächste Mal, wenn wir hier übernachten.

Der nächste größere Ort ist Haderwijk, hier wollen wir nur durchfahren, ohne uns den Ort genauer anzuschauen. Bleiben dann aber, nachdem wir durch die City mit ihren vielen kleinen Geschäften und Boutiquen gefahren sind, kurz an einer Eisdiele hängen.
Als wir den Ort verlassen wollen, wählen wir, da wir die ausgeschilderte Strecke verlassen hatten, den falschen Weg. Nach einer kurzen Orientierung und dem Vergleich der Bahnlinienführung mit unserer Landkarte, finden wir den richtigen Weg wieder.
Unsere Strecke Richtung Uddel führt über einen schmalem, aber asphaltierten Weg durch den Wald. Es macht richtig Spaß, auch wenn es fast immer bergauf geht.

Jetzt nach gut 2 Stunden Fahrt, machen wir in der Nähe eines Bauernhofes bei Leuvenum, eine kleine Pause.
Wie wir hier im Gras sitzen, Hund Tee trinken und unsere Brötchen essen, bekommen wir Gesellschaft. Es ist ein kleiner Hund, wahrscheinlich vom Bauernhof. Er schließt auch gleich Freundschaft mit Richard und natürlich fällt für ihn auch ein kleiner Happen von Richards Brötchen ab.

Um 13:45 Uhr erreicht wir Uddelmeer. Nachdem wir die letzten Kilometer nur auf der Landstraße fahren konnten, sind wir nun froh, dass wir laut Labdkarte eine Strecke von 8 Kilometern vor uns haben, die für Autos nicht zugelassen ist.
Kein Wunder, hier käme auch nur ein Geländefahrzeug durch. Die ganze Strecke geht durch ein Heidegebiet mit Sandwegen. Um das Ganze noch etwas zu erschweren, geht es auch noch bergauf.

Nach diesem schwierigen Teil haben wir eine Belohnung verdient, darum geht es bis zur Stadtgrenze nach Apeldoorn (15:15 Uhr) nur abwärts. Auf diesem Stück erreichen wir, nur durch rollen eine Geschwindigkeit von 48,7 Km/h.

n der Stadt fahren wir als erstes die Einkaufsstraße (Fußgängerzone) hinunter. Hier ist ganz schön was los. Wir müssen aufpassen, dass wir mit unseren Rädern keinen umfahren. Als wir am Ende der Einkaufsstraße angelangt sind, wird kurzerhand umgedreht und es geht ein Stück die Straße zurück. Schließlich hatten wir hier ein kleines Cafe gesehen, da können wir natürlich nicht einfach dran vorbei fahren.
Im Cafe machen wir für ca. 30 Minuten eine Pause und fahren danach weiter.
Rad Um 16:25 Uhr haben wir Apeldoorn schon wieder verlassen. Wir hängen Heute ganz schön hinter unserem Zeitplan. Schuld daran ist das Knie von Richard, er hat schmerzen und kann deshalb nicht so gut in die Pedale treten. Wahrscheinlich war das gestrige Szück zu lang und anstrengend gewesen.
Dennoch erreichen wir um 17:15 Uhr den Campingplatz in Deventer. Da der nächste Campingplatz noch gute 10 Kilometer weiter wäre und Richard sein Knie lieber etwas schonen will, beschließen wir hier zu bleiben.
Wir werden jetzt um 18:20 Uhr, nachdem wir unsere Zelt aufgebaut, den Rest Tee und unsere letzten zwei Brötchen vertilgt haben, erst einmal wieder richtig schön warm duschen und danach geht es ab in die Stadt.

19:10 Uhr auf geht’s.
Wir fahren von Campingplatz kommend, als erstes mit einer kleinen Fähre (nur für Personen) für 1 Gulden, über die Ijssel, um in die Innenstadt zu gelangen.
Danach kommen wir gleich in die Altstadt, wo wir ein Pannekoekenhaus entdecken. Auf dem Boot Bei diesem Anblick bricht bei uns sofort der Hunger aus und da wir noch kein Abendbrot hatten, knurrt uns der Magen, also nichts wie rein.
Richard bestellt sich einen Pannekoeken mit Banane und Ananas und ich mit Pannekoeken mit Banane und Honig.
Während wir auf unser Essen warten haben wir genügend Zeit um Tagebuch zu schreiben und einen Blick in die Landkarten zu werfen.
Als das Essen nun kommt sind wir ein bisschen enttäuscht, der Pannekoeken ist zwar schön groß, aber die bestellten Obstbeilagen sind ein wenig mager ausgefallen.
Nachher bummeln wir zwar gesättigt, aber nicht zufrieden mit dem Essen, noch einen wenig durch die City.

Auf dem Rückweg kommen wir an einem Bowlingcenter vorbei, das müssen wir uns ansehen.
Wie wir feststellen, ist das Center voll, alle Bahnen sind belegt und wie es aussieht, handelt es sich bei den Spielern, um die Hausliga.
Jetzt wo wir uns alles angesehen haben, müssen wir zugeben,die Niederländer sind auf dem neusten Stand der Technik. Statt alles auf einen Zettel aufzuschreiben, gibt man seinen Namen in den Computer ein. Nun braucht man nur noch zu werfen, wenn der Computer einen dazu auffordert, der Rest wird automatisch erledigt.
Der Computer gibt das Wurfergebnis aus, addiert die Summen und zeigt am Bildschirm dem Spieler wo er, bei einem eventuellen zweiten Wurf, die Kugel hinwerfen soll.
Wir sind begeistert, man wird nicht durch irgendwelche Schreiberei abgelenkt, sondern man kann sich voll auf das Spiel konzentrieren.
"Schade" ist eigentlich nur, dass man die schwere Kugel noch selber werfen muss.

Als wir um 22:30 Uhr zurück am Zelt sind, macht Richard sich aus zwei nassen Handtüchern einen kalten Umschlag für sein Knie. Wir hoffen, dass dadurch, das Knie morgen wieder in Ordnung ist. Licht aus, Feierabend.

  Tagesdaten:   58,06 km   7:06 Std.
  Tourdaten: 286,90 km 33:24 Std.


06.09.1995 Mittwoch.

Wach werden wir schon früh um 07:00 Uhr, denn hier ist es so laut, da hätten wir gleich auf dem Bahnhof übernachten können. Andauernd fährt eine Eisenbahn vorbei und von irgendwo hört man einen Motor laufen. In der Ferne die Autos, die Kühe muhen (eher brüllen) und dann auch noch zu jeder halben und vollen Stunde die Kirchturmuhr. Was soll da noch mit schlafen sein. Wir stehen, nach dem wir uns noch ein bisschen im Schlafsack gelümmelt haben, um 7:45 Uhr auf.
Zelt am Rad Dann unser üblicher morgendlicher Ritus, waschen (heute mal duschen) Tee kochen und frühstücken.
Gestern abend haben wir am anderen Ende des Campingplatzes eine Bank mit Tisch daran gesehen und da das für uns der ideale Frühstückstisch ist, tragen wir ihn einfach zu unserem Zelt.
Um 9:00 Uhr sitzen wir gemütlich am Tisch und frühstücken.

Trotz des frühen Aufstehen sind wir heute auch nicht früh dran als sonst. Erst um 10:25 Uhr haben wir alles verstaut, werfen gemeinsamen noch einen Blick auf die Landkarte und los geht es.

Eine halbe Stunde später spielt das Knie von Richard nicht mehr mit, es schmerzt stark. Darum fahren wir zum Bahnhof von Deventer, Richard will von hier aus mit dem Zug nach Oldenzaal fahren, während ich weiter mit dem Rad fahre.
Am Bahnhof angekommen nimmt Richard mir zur Gepäckerleichterung das Zelt ab, dann verabreden wir noch einen Treffpunkt. Dieser ist der Campingplatz Eureka in Oldenzaal, an dem ich bis spätestens 22:00 Uhr sein muss. Sollten wir uns aus irgendwelchen Gründen verpassen, wollen wir uns ab 22:00 Uhr am Bahnhof von Oldenzaal treffen.
Ich verlasse um 11:00 Uhr alleine den Bahnhof von Deventer und mache mich auf den ca. 60 Kilometer langen Weg nach Oldenzaal.

Gegen 12:00 Uhr muss ich vor Holten einen kurzen Stopp einlegen, ich brauche unbedingt etwas zu trinken. Ich kaufe mir in einem kleinem Lebensmittelladen eine Flasche Mineralwasser und fülle erst einmal meine Flasche am Fahrrad auf, der Rest wird dann an Ort und Stelle ausgetrunken.

Frühstueck 12:30 Uhr ich habe den Ort Rijssen hinter mir gelassen. Am Ortsausgang mache ich Mittagspause, setze mich auf eine Mauer, trinke Tee und esse meine Brötchen. Nach diesen 15 Minuten bin ich wieder fit zum weiterfahren.

Nachdem ich durch den Ort Enter gefahren bin, will ich die Strecke abkürzen und versuche den Twente Kanal an der Autobahn zu überqueren, doch als ich am Kanal ankomme, ist dort keine Brücke für Radfahrer oder Fußgänger.
Pech, zwar könnte ich mein Fahrrad hoch zur Autobahn schieben, um dann über die Autobahnbrücke den Kanal zu überqueren, aber das ist mir zu riskant.
Also bleibt mir nichts anderes übrig als zurück zur Hauptstraße zu fahren. So ist aus der Abkürzung ein Umweg geworden.

Um 13:45 Uhr bin ich schon 3:20 Stunden (vom Campingplatz) unterwegs und habe 50 Kilometer hinter mir. Nun stehe ich auf einer Brücke über der Autobahn A35/E30 Enschede/Almelo und nehme mir vor nicht, eher weiter zu fahren bevor ich nicht einen Wagen mit Hannover Kennzeichen gesehen habe.
Wahrscheinlich werde ich "Tage" stehen müssen.

Es ist nicht zu glauben, ich stehe noch keine 5 Minuten hier und es fährt ein ganzer Reisebus (Hannover Reisen) an mir vorbei. So ist also nichts mit einer langen Pause und ich fahre weiter.
Beim durchfahren des Ortes Borne und entdecke ich schon wieder eine Abkürzung, dieses Mal scheint es aber zu klappen. Die Strecke ist auf der Landkarte eingezeichnet und ein Hinweisschild – Richtung Oldenzaal – finde ich auch.
Obwohl der Weg nur aus Schottersteinen besteht, komme ich gut voran und spare viel Zeit und Kilometer.

Es ist 14:30 Uhr und ich bin nach 4:10 Stunden und 62,66 Kilometern am Eurika Camping, doch ich muss feststellen, dass es sich um einen Bungalowcamping handelt. Also sage ich der Dame an der Rezeption Bescheid, dass wahrscheinlich nachher ein junger Mann auftauchen wird um sich mit mir hier zu treffen. Man möge ihm doch ausrichten, dass ich auf den Campingplatz Europa gefahren bin und dort auf ihn warte.
Ich fahre weiter bis zum circa 500 Meter entfernten Europa Camping. Hier setze ich mich auf eine Bank, vor der Rezeption und halte mich an den Spruch: "abwarten und Tee trinken". Sicher werde ich hier noch eine ganze Weile sitzen können. Richard ist bestimmt spät aus Deventer abgefahren und rechnet nicht so früh mit mir.
Nach circa einer halben Stunde ist der Tee ausgetrunken und so will ich mir die Beine ein wenig vertreten, gehe um die Rezeption in Richtung auf den Campingplatz und stehe vor Richard. Er ist schon lange da, hat das Zelt aufgebaut und wollte gerade gucken, ob er mich schon irgendwo sieht.
Da alles fertig ist, brauche ich meine Sachen nur im Zelt verstauen und schon können wir in die gute 6 Kilometer entfernte Stadt fahren.

Hier muss Richard erst einmal was essen. Danach sehen wir uns die Innenstadt mit ihrer Fußgängerzone und vielen kleinen Läden an. Gehen in diesen und jenen Laden und suchen etwas, was wir unseren Frauen und Daniel mitbringen können. Doch leider ist nichts vernünftiges zu finden. Schnaps und Käse wollen wir nicht und die Marmelade die wir finden erscheint uns zu flüssig.
Später entschließen wir uns, da unsere Frauen Kaffeetrinker sind, den guten Duve Kaffe mitzunehmen.
Für den kleinen Daniel hätte ich am liebsten Speichenreflektoren fürs Rad mit dem Emblem von Batman mitgenommen, in Emmeloord hatte ich welche im Fahrradgeschäft gesehen, aber nicht mitgenommen und nun finde ich sie in keinem anderen Fahrradladen mehr.

Jetzt isdt es schon 18:00 Uhr. Wir machen uns auf dem Weg zurück zum Campingplatz, doch da es noch zu früh zum schlafen ist, und wir unsere restlichen Gulden nocvh los werden wollen, (für morgen Früh ist schon alles gesorgt) suchen wir uns eine in der Nähe liegende Gaststätte. Hier möchten wir was essen und ein wenig Schach spielen.
Als wir die Preise in der Speisekarte sehen, merken wir, das unsere Gulden, für diese Gerichte nicht reichen werden. Wir sagen dem Kellner das unser Hunger gar nicht so groß ist, kein Problem, er gibt uns die Karte mit kleinen Gerichten und hier finden wir genügend in unser Preislage.
Kurze Zeit später trinken wir gemütlich ein Bier zu unserem Omelett mit Bratkartoffeln und spielen Schach, so lässt es sich aushalten.
Nachdem wir gut gesättigt sind und alles bezahlt haben, sind wir auch endlich unsere Gulden los. Sicherheitshalber hatten wir vorher zwei Gulden fürs duschen bei Seite gelegt. Doch was jetzt, Richard bestellt noch zwei weitere Bierchen und bezahlt diese mit DM, was bedeutet er kriebt sein Wechselgeld als Gulden raus.

Zurück am Zelt ist es 20:30 Uhr. Jetzt haben wir keine Lust mehr zu duschen, das verschieben wir lieber auf morgen Früh und so fallen wir Heute zum letzten Mal für diesen Urlaub in die Schlafsäcke.

  Tagesdaten:   76,16 km   5:25 Std.
  Tourdaten: 363,06 km 38:49 Std.


07.09.1995 Donnerstag.

07:00 Uhr.
Da wir gestern schon alles besorgt haben, was wir zum Frühstücken brauchen, muss keiner mehr losfahren. Wir haben genügend Zeit um in Ruhe zu duschen, zu packen und danach zu Frühstücken.
Damit wir es zum Frühstück wieder gemütlich haben, leihen wir uns von einen im Augenblick unbewohnten Wohnwagen den Campingtisch aus. Jetzt fehlen uns nur noch die Stühle, aber das ist auch kein Problem. Wir bekommen diese von unserer Zeltnachbarin. Wieder einmal steht einem gemütlichem Frühstück nichts im Wege.

Nach dem Frühstücken brauchen wir nur noch das Geschirr abwaschen und das Zelt einpacken, schon geht es um 9:35 Uhr, gut eine Stunde früher als sonst, auf die letzte Etappe Richtung Bad Bentheim.

Wir sind jetzt schon eine Stunde unterwegs und haben 10 Kilometer hinter uns, so ist es Zeit eine Pause zu machen. Nicht weil wir erschöpft sind, nein wir haben einfach noch genügend Zeit bis wir in Bad Bentheim sein müssen. Wir halten in Westenberg an und genießen bei einem Kaffee die Sonnen.

Um 11:15 Uhr überschreiten wir die holländische - deutsche Grenze. Nur am Grenzschild ist der Länderübergang zu bemerken, hier gibt es weder Grenzhäuser noch Schlagbäume.

Als wir Bad Bentheim erreicht ist es 11:55 Uhr und kaum 5 Minuten danach sind wir schon am Bahnhof. Ein wenig zu früh, wenn man bedenkt dass unser Zug erst um 13:17 Uhr abfährt. Also fahren wir noch in die Innenstadt, mal sehen was da so los ist.
Wir müssen feststellen, dass der Weg zur Innenstadt ganz schön steil ist, was Richard seinem Knie überhaupt nicht gut tut. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als von Rad abzusteigen und es zu schieben.
Die Innenstadt ist schnell abgefahren und um zur Burg zu gehen, ist die Zeit doch zu knapp. Also fahren wir wieder zurück zum Bahnhof, essen am Imbiss eine Kleinigkeit und holen uns vom angrenzenden Aldi, für unterwegs, etwas zum trinken. Dann wir es aber auch schon Zeit zum Bahnhof zurück zukehren.

Unser Zug steht schon im Bahnhof. Da er von hier startet, haben wir den gesamten Waggon noch für uns. Wir suchen uns gleich das Nichtraucherabteil neben unseren Fahrrädern aus und machen es uns gemütlich. Pünktlich nach Fahrplan um 13:17 Uhr fährt der Zug aus dem Bahnhof.

Genauso pünktlich wie die Abfahrt aus Bad Bentheim, ist unsere Ankunft um 15:13 Uhr, im Hauptbahnhof Hannover. Hier verabschieden wir uns und Richard fährt die paar Meter bis zu Lister Meile mit dem Fahrrad. Da es für mich weiter nach Hause ist, wechsle ich den Bahnsteig, um auf meinen Zug, Richtung Sehnde zu warten.

15:36 Uhr, es ist so weit, mein Zug nach Hause fährt ab und trifft um 16:02 Uhr in meinem Heimatbahnhof Sehnde ein 5 Minuten später stehe ich vor meiner Haustür.

  Tagesdaten:   32,04 km   3:30 Std.
  Tourdaten: 395,10 km 42:19 Std.