Anfang 2002

Endlich ist es wieder soweit, wir planen unsere Radtour.

Das Gebiet in dem wir fahren wollen ist schnell gefunden.
Die Elbe von der deutsch-tschechischen Grenze Richtung Elbmündung, doch der Termin, damit haben wir wie immer unsere Schwierigkeiten.

Mitte August.
An dem Tag, an dem wir uns auf einen genauen Termin einigen wollen, müssen wir leider auch unsere Route ändern.
Die Elbe hatte dieses Jahr ungewöhnlich starkes Hochwasser, das ganze Umland der Elbe ist überflutet, ganze Landstriche und sogar ganze Ortschaften wurden verwüstet. Es besteht kaum eine Chance, dass wir an der Elbe fahren können, also muss ein nicht Hochwasser führender Fluss gefunden werden.
Weser wäre nicht schlecht oder vielleicht sogar von der Quelle der Fulda zur Weser und dann so weit wir kommen.

Jetzt noch der Termin.
Nach langem Hin und Her haben wir ein passendes Datum gefunden und zwar vom 14. bis 22. September.

Anfang September.
01-RADWANDERWEGSCHILD Richard möchte unseren Termin 2 Wochen vorverlegen, eine Kollegin von ihm war schneller und hat ihren Urlaub in unsere Woche gelegt. Aber 2 Wochen früher klappt es bei mir nicht, höchstens 1 Woche, doch Richard hat an diesem Wochenende noch einen Termin.

Was nun?
Wenn wir uns jetzt nicht einigen, wird es für dieses Jahr zu spät, zum Rad fahren. Das Wetter ist nicht mehr so stabil und die Tage werden auch immer kürzer.
Da wir unsere Radtour für dieses Jahr nicht fallen lassen wollen, einigen wir uns auf Montag, den 9. bis zum Sonntag, dem 15. September und haben für unsere geplante Strecke somit nur 7 Tage Zeit.

Montag, 9. September

Frühes Aufstehen um 6:00 Uhr.

Frühstücken und Daniel zum Bus bringen, jetzt muss ich los zum Bahnhof von Sehnde, woum 8:16 Uhr mein Zug nach Hannover abfährt.
Klappt alles wunderbar, das Umsteigen in Lehrte und selbst das hochwuchten des Rades in den Zug geht leicht, da der Zugbegleiter mir beim Ein- und Aussteigen behilflich ist.
Unser RegionalExpress ist schon da, so kann ich schon mal einsteigen und auf Richard warten.

Wie alle Jahre wieder, Richard lässt sich Zeit.
Er kommt immer knapp (siehe andere Radtourberichte), doch diesmal übertreibt er. Es ist 9:16 Uhr und somit Abfahrtzeit für unseren Zug.
Selbst meine Bitte an den Zugbegleiter eine oder zwei Minuten zu warten nützt nichts und so muss ich aussteigen.

Kaum ist der Zug aus dem Bahnhof, schon taucht Richard auf.
Wie sich herausstellt, hatte er diesmal keine Schuld an seinem zu spät kommen, der Zug hatte Verspätung und dafür kann er wirklich nichts. Doch was nun?
Wir gehen zum Stationsleiter und erklären ihm und den hier zufällig anwesenden UNSER-1-ANSTIEG Bahnmanager, das wir durch die Verspätung von Richards Zug, den Anschlusszug verpasst haben. So was kann die Bahn nicht auf sich sitzen lassen, sie kann keine verärgerten Kunden gebrauchen und der Manager kann sich mal profilieren.

Um 10:05 Uhr sitzen wir in dem InterRegio, den wir aus Kostengründen nicht genommen hatten. Der Zugbegleiter weiß auch Bescheid und teilt uns mit, dass wir früh genug in Göttingen sind, um unseren regulär geplanten Anschlusszug zu bekommen.
Ab Göttingen klappt es dann auch mit den weiteren Anschlusszügen, in Bad Hersfeld und Fulda.
Pünktlich um 14:00 Uhr kommen wir in Gersfeld an und könnten zur Fuldaquelle aufbrechen, doch Richard kann unsere Karte nicht finden.

14:15 Uhr es ist so weit, Richard hat die Karte gefunden und wir brechen auf.

Um 10:05 Uhr sitzen wir in dem InterRegio, den wir aus Kostengründen

Gleich das erste Stück verlangt uns Einiges ab, es geht steil nach Oben.
Beim ersten geraden Stück halten wir zum Verschnaufen an, nutzen die Gelegenheit dazu uns um zuziehen und einem in der Nähe arbeitenden Bauern zu fragen, ob er ein Foto von uns machen kann.
Gut das wir uns umgezogen haben, es geht weiter steil bergauf. Will es gar nicht mehr aufhören? Wir sind doch nicht in den Alpen.
Endlich nach 14 km sind wir um 16:10 Uhr an der Quelle der Fulda.

Es wird uns ein trauriges Bild geboten, es kommt nicht ein Tropfen Wasser aus der Quelle. Das ist, wie wir erfahren, das erste Mal seit 20 Jahren der Fall. RICHARD-FULDAQUELLE
Wir machen dennoch ein oder zwei Fotos lesen den hier in Stein gehauenen Spruch und fahren weiter.

Der Fulda, die mit klarer Welle
den Berggruss rauschend trägt einher,
Sie wächst zur Werra hingezogen,
zum deutschen Strom und senkt die Wogen
als Weser Schiffbelebt ins Meer.“




Eigentlich wollten wir den auf der Karte verzeichneten Weg nach Gersfeld nehmen, aber Richard meint, wir sollten doch lieber über die Landstraße zurück fahren.

Ok, ab geht es.

Es ist einfach super, es macht einen wahnsinnigen Spaß über die Straße zu fahren, es geht nur abwärts. Leider ist der Spaß nicht von Dauer, wofür wir sonst ca. 2 Stunden gebraucht hätten, schaffen wir in 10 Minuten und erreichen die Stadt.
Die Abfahrt war so heiß, da müssen wir uns in der Eisdiele erst einmal erfrischen.

17:15 Uhr wir suchen nach einem Lebensmittelgeschäft um uns mit Getränken und Obst einzudecken.

Um 17:35 Uhr geht es raus aus der Stadt.
Wir kommen gut voran. Die Beschreibung der Karte ist ausgezeichnet, die Strecke gut zu befahren und außerdem haben wir auch noch gutes Wetter.

JUGENDHERBERGE So erreichen wir gegen 19:00 Uhr den Vorort von Fulda.
Hier fragen wir auf einem Reithof nach einer Möglichkeit zum Campen. Wir werden zu einer Jugendherberge geschickt, wo wir zwar kein Bett zum Nächtigen bekommen, aber man uns die Möglichkeit zum Aufbau des Zeltes, auf dem Rasen hinter der Jugendherberge anbietet.
Wir müssten nur jeder einen Jugendherbergsausweis haben. Doch dieser soll pro Person, 18 Euro kosten und nur noch für den Rest des Jahres gültig sein, dazu käme dann auch noch die Übernachtungsgebühr. Das ist uns dann doch zu teuer und wir überredeten den Herbergsvater uns vor der Jugendherberge, etwas hinter Büschen versteckt, auf dem Rasen campen zu lassen.

Das ist ihm recht und wir versprechen ihm, morgen Früh, 5 Euro in die Kaffeekasse zu zahlen.

Nach dem Aufbau des Zeltes fahren wir in die Innenstadt und essen in einem türkischen Restaurant zu Abendbrot.
Zurück am Zelt sind wir gegen 22:00 Uhr und damit ist Schluss für Heute.


  Tagesdaten: 56,00 km 3:50 Std.


Dienstag, 10. September

Haben die erste Nacht gut geschlafen.

Nachdem wir um 8:00 Uhr aufgestanden sind, Obst und schwarzen Tee gefrühstückt haben, wollen wir, obwohl es etwas nieselt, kurz nach 10:00 Uhr losfahren.
Nachdem ich aus der Jugendherberge komme (habe die 5 Euro bezahlt), regnet es so stark, dass wir erst warten wollen bis der Regen nachlässt.
Wir hätten lieber länger schlafen sollen, denn der Regen hört nicht auf. Zwei Stunden warten wir schon und kommen erst gegen 12:00 Uhr los. Es nieselt zwar immer noch, doch wir wollen weiterkommen.

45 Minuten später sind wir in der Ortschaft Kämmerzell und da es trotz Nieselregen nicht kalt ist, halte ich an, um mir meinen Pullover auszuziehen. Richard fährt schon mal weiter und biegt an der nächsten Kurve falsch ab.
Nachdem ich aus der Ortschaft heraus bin und Richard auf der vor mir sichtbaren Strecke nicht zu sehen ist, halte ich auf einer über die Fulda führenden Holzbrücke an.
Anscheinend hat Richard schon nach kurzer Zeit gemerkt, das er falsch abgebogen ist und so brauche ich nur 10 Minuten auf ihn warten.
AUF-NASSEM-WEG Die nächste Pause machen wir um 13:45 Uhr in Pfordt. Nutzen eine kurze Regenunterbrechung um uns mit Äpfel und Studentenfutter zu stärken. Dieses ist auch nötig, denn zwischen den Ortschaften „Unter Schwarz“ und „Unter-Wegfurth“ liegt der Richtberg. Der hat auf einer Strecke von knapp 800 Metern, ca. 100 Höhenmeter.
Wir schaffen es, aber es kostet uns doch einiges an Kraft.

Um 15:50 Uhr haben wir die nächst größere Stadt erreicht Bad Hersfeld.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit um Mittag zu essen, entdecken wir in der Fußgängerzone eine urige, aber gemütliche Gaststätte.
Sie ist mit jeder Menge Nippes und Krimskram dekoriert. Überall stehen Figuren wie Raubkatzen, Fabelwesen, Puppenwagen, Spinnräder und Ähnliches herum. An der Decke sind Modelle von Flugzeugen, Heißluftballons und Drachen zu sehen. So urig es hier auch ist, das Essen ist gut und reichlich.

Wir brauchen etwas länger um uns wieder in unsere Sättel zu schwingen. Schnell noch etwas zu Trinken und zum Abendbrot besorgt und es geht im leichten Regen weiter.
Doch nicht weit, gerade bis zur nächsten Möglichkeit sich unterzustellen.
Der Regen ist jetzt so stark, dass wir erst nach über 1,5 Stunden, um 18:40 Uhr wieder aufbrechen. Es hat zwar nicht aufgehört, aber wenn wir jetzt nicht fahren werden wir nirgendwo eine Übernachtungsmöglichkeit finden.

Wir lassen den Ort Friedlos hinter uns und versuchen, da es langsam dunkel wird, in dem Ort Mecklar einen Unterschlupf zu finden.
Die Passanten, die wir fragen, empfehlen uns eine Radfahrerhütte auf dieser Seite der Fulda oder eine Pension „Bett und Bike“ auf dem anderen Ufer, am Ende des Ortes.
Bei der Hütte handelt es sich einen Rundbau, der nur zu 1/3 mit Wänden versehen ist. Schlafen könnten wir hier, doch bei diesem Wetter ist das doch ziemlich kalt und ungemütlich. Mal sehen wie es mit Bett und Bike aussieht.

Richard bleibt erst einmal bei der Hütte und ich fahre zu der Pension, um mich nach Zimmer und Preis zu erkundigen.
Dienstags ist Ruhetag, dennoch wird mir nach dem zweiten Klingeln aufgemacht und sogar ein Doppelzimmer zum Preis von 44 Euro 15-BLICK-ÜBER-DIE-FULDA mit Frühstück angeboten.
Das finde ich ok, außerdem lassen sich unsere nassen Sachen in einem geheizten Zimmer besser trocknen, als in einer offenen Hütte.
Gut das Richard und ich unsere Handys dabei haben, so brauche ich nicht zur Hütte zurück, sondern nur kurz zu telefonieren und schon 10 Minuten später ist Richard da.

Um 19:30 Uhr ist somit unsere Tagesstrecke geschafft.
Als Erstes werden unsere nassen Sachen überall im Zimmer aufgehängt, dann sind wir dran. Nicht mit dem Aufhängen, nein, sondern mit duschen und umziehen.
So erfrischt und erholt geht es in die der Pension zugehörigen Gaststätte. Hier lassen wir den Rest des Tages bei ein, zwei Bierchen und Schachpartien ausklingen.

Um 22:00 Uhr reicht es, wir gehen hoch und legen uns schlafen.


  Tagesdaten: 118,00 km   7:42 Std.
  Tourdaten: 174,00 km 11:32 Std.


Mittwoch, 11. September

Da wir unser Frühstück für 8:00 Uhr bestellt haben, stehen wir um 7:00 Uhr auf. Dadurch haben wir noch genügend Zeit unsere nun getrockneten Sachen zu packen.
Mit 3 Brötchen, Tee und Kaffee, war das Frühstück reichlich. Wir bekamen sogar noch eine Thermoskanne voll Tee mit auf den Weg.

Um 9:00 Uhr sitzen wir schon auf unseren Sätteln.
Bei so einem frühen Start können wir Heute, hoffentlich ein ordentliches Stück schaffen. BRONZEFRAU 2 km weiter erreichen wir, um kurz nach 11:00 Uhr, Rotenburg an der Fulda.
Bei einer 10-minütigen Pause, in der wir uns mit Tee und Bananen stärken, wechselt Richard sein Unterhemd.
Er hatte ein Unterhemd ausprobieren wollen, das die Körperfeuchtigkeit nach außen abführt. Doch es ist zum größten Teil aus Synthetik und kratzt auf der Haut. Also wieder das gute alte Baumwollhemd an und weiter geht es.

Wir erreichen den Stadtkern und wollen uns etwas umsehen.
Rotenburg ist eine aus dem 12. Jahrhundert stammende Stadt und da es vor größeren Zerstörungen, wie Krieg und Bränden verschont geblieben ist, auch gut erhalten. Der Marktplatz ist sogar noch in seiner Ursprungsform zu sehen, wie auch viele Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, teils sogar noch ältere.
Wir sehen uns ein wenig um, schießen einige Fotos und ich nutze die Gelegenheit um eine Postkarte nach Hause zu schicken.

Weiter geht es über die Orte Braach, Baumbach. Lassen den Ort Heinebach rechts liegen und erreichen, durch einen Torbogen des Klosters Haydau fahrend, den Ort Altmorschen. Jetzt über die Brücke nach Neumorschen und hier biegen wir falsch ab.
Diese Straße ist nicht die Richtige, wir wären glatt wieder nach Süden gefahren, doch wir merken es schon nach wenigen 100 Metern. Also umgedreht und die richtige Abzweigung gesucht.
Sie ist schnell gefunden, auch wenn sie nicht leicht als der richtige Weg zu erkennen ist. Ich hätte nur die Wegbeschreibung richtig durchlesen müssen, da ist ein Bild der Straße abgebildet und mit Namen beschrieben.

Unsere nächste Rast legen wir in Melsungen ein. Es ist 13:20 Uhr, wir haben jetzt 48 km hinter uns und Hunger.
HALBINSEL Den stillen wir im Ratskeller, mit einer Nudelpfanne und einem Schnitzel. Fertig mit unserer Mittagspause, besorgt Richard noch Kuchen für nachher.

15:15 Uhr, wir sind in Wagenfurth.
Hier weist uns ein Umleitungsschild darauf hin, das die Straße, selbst für Radfahrer gesperrt ist. Laut Karte müssen wir dadurch einen großen Umweg fahren.
Wir beschließen, uns nicht um das Umleitungsschild zu kümmern. Riskieren es lieber, wieder zurück fahren zu müssen, als gleich den Umweg zu machen.
Es ist eine gute Entscheidung. Die Baustelle ist fast fertig und wir haben keine Probleme, an der noch existierenden Baugrube vorbei zu kommen.
Etwas weiter erreichen wir einen steilen Anstieg und bei der darauf folgenden Abfahrt, in den Ort Grebenau, reißt mir der Bowdenzug der Vorderradbremse.
Es geht ganz schön steil abwärts. Ich habe zwar noch die Hinterradbremse, aber wenn die auch noch reißt!

Es geht alles gut und wir erreichen vor 16:00 Uhr, Guxhagen.

Der erste, der uns entgegen kommt, ein junger Mann auf einem Rad, frage ich nach einem Fahrradgeschäft. „Oh, das ist schwer.“ „Hier im Ort gibt es so was wohl nicht, frühestens in Kassel, doch das sind noch einige Kilometer.“ Schade, so muss ich mich mit der Hinterradbremse zufrieden geben. Weiter geht’s.

Halt stopp, gleich hier an der nächsten Ecke sehe ich ein Fahrradgeschäft. Es ist nicht zu glauben, anscheinend hatte der junge Mann überhaupt keine Ahnung von seiner Stadt. Ich bin natürlich glücklich, nun doch meine Bremse reparieren zu können. Das geht schnell, dauert keine 10 Minuten und kostet 1,20 Euro. Jetzt will Richard noch telefonieren.
Während Richard eine Telefonzelle sucht, fahre ich unsere Strecke schon mal weiter, um einen geeigneten Rastplatz zu finden. Einige Meter nach Ortsausgang ist er gefunden. Die Zeit auf Richard warten, überbrücke ich mit kochen von heißer Schokolade.
Bei seiner Ankunft ist alles fertig und wir können sie und unseren Kuchen genießen.

Nachdem wir uns fast 1 Stunde in Guxhagen aufgehalten haben, fahren wir weiter. Kassel ist nicht mehr weit entfernt, da wollen wir noch durch, bevor wir uns einen Platz zum Schlafen suchen.
Es geht auch erst gut voran, bis zum Ort Dittershagen. Hier verlieren wir vollkommen die Orientierung, es stimmt nichts mehr überein. Weder die Beschreibung unserer Karte, noch die Wegmarkierung R1 oder sonst etwas. Was sollen wir tun?
Am besten wir folgen dem Fluss soweit wie möglich, auch wenn keine Markierung stimmt, denn schließlich wollen wir ja an der Fulda fahren.

So erreichen wir um 17:40 Uhr Kassel.
Wir kommen zwar an einer ganz anderen Stelle, als wir wollten in Kassel hinein, und mit ein wenig Mühe, sogar wieder auf den richtigen Weg. Ob wir nun einen Umweg, einen falschen oder neuen Weg genommen haben, der nur nicht in unserer Karte verzeichnet ist, wissen wir nicht. Macht auch nichts, Hauptsache wir sind in Kassel gelandet.
Aufhalten wollen wir uns in Kassel nicht, nur einfach durch. Der Weg ist sehr schön und es ist echt was los auf dieser Strecke. Das liegt nicht nur an dem schönen Wetter, sondern er führt uns an etlichen Parks, Freizeitveranstaltungen, Jachthäfen, Gärten und Biergärten vorbei.
Um 18:30 Uhr haben wir es geschafft, Kassel liegt hinter uns, sowie auch 90 km Rad fahren. Jetzt geht die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht los.
AUF-DER-HALBINSEL Die ersten Kilometer gehen durch Wald, immer knapp am Ufer der Fulda lang. Hier können wir nirgends unser Zelt aufschlagen, der Platz zwischen Straße und Ufer ist zu klein, außerdem wollen wir nicht gleich von der Straße gesehen werden.
Doch 5 km hinter Kassel entdecken wir eine Halbinsel, sieht richtig super aus. Können wir hier die Nacht verbringen?
Ich fahre hinauf um sie zu erkunden.
Sie ist mit hohen Büschen bewachsen, doch gibt es überall kleine Zugänge zum Wasser. Anscheinend ist diese Halbinsel ein Paradies für Angler. An ihrem Ende entdecke ich eine Wiese, groß genug um unser Zelt aufzubauen. Von der Straße sind wir auch nicht auf den ersten Blick zu erkennen, es gibt noch genügend Büsche die Sichtschutz bieten. Das ist es also, hier bleiben wir.
Schnell ist das Zelt aufgebaut, Isomatte und Schlafsack verstaut.

So schön die Insel auch ist, hier gibt es keine Kneipe oder Restaurant in dem wir den Rest des Abends verbringen könnten. So begnügen wir uns mit Studentenfutter und Dosenbier.
Unsere all abendliche Partie Schach wird dennoch gespielt, wenn auch bei Taschenlampenlicht. Wahrscheinlich ist es zu dunkel und darum gibt Richard das Spiel auf, oder sieht es so schlecht für ihn aus? Egal jetzt reicht es für Heute und so geht der Tag für uns schon gegen 20:30 Uhr zu Ende.

  Tagesdaten:   95,00 km   6:06 Std.
  Tourdaten: 269,00 km 17:38 Std.


Donnerstag, 12. September

7:00 Uhr, Aufstehen im Dämmerlicht.

Richard will nicht so richtig hoch kommen, es ist ihm noch zu dunkel.
Zum Frühstück gibt es Müsliriegel und Apfel, mehr haben wir nicht, alles andere können wir nachholen.
Fast fertig mit dem Frühstück bricht die Sonne durch, es scheint ein schöner Tag zu werden. Den wollen wir nutzen, schnell alles zusammengepackt, Zelt zusammengelegt, Satteltaschen auf geschnallt und um 8:55 Uhr geht es weiter.

Kaum zu glauben, nach 17 km erreichen wir um 10:00 Uhr Hann. Münden, das war schnell.
Wir fahren durch Schrebergärten bis in die Altstadt und suchen uns ein Kaffee, in dem wir unser Frühstück nachholen können.
Nach dem Frühstücken suche ich mir einen D2-Shop, um mein Handy aufzuladen. Handyshops gibt es überall und so ist auch in Hann. Münden schnell ein Shop gefunden. Sie sind auch so freundlich und hängen mein Handy an ein Ladegerät. Ich werde es abholen, wenn wir die Stadt verlassen.
Zurück bei Richard, nutzen wir den anschießenden Stadtbummel zum einkaufen von Obst und Getränken.

Nachdem Richard sein tägliches Telefonat geführt hat, müssen wir uns natürlich noch den Zusammenfluss von Werra und Fulda ansehen.
WESERSTEIN Viel gibt es nicht zu sehen. Im Mündungsdreieck der Flüsse steht eine große Kastanie und ein Gedenkstein, mit der Inschrift:

„Wo Werra, sich und Fulda küssen,
Sie ihre Namen büßen müssen.
Und hier entsteht durch diesen Kuss,
Deutsch bis zum Meer, der Weser Fluss.“
„Hann. Münden d. 31. Juli 1899“.




Nachdem auch dieses geschafft ist, geht es zurück in die Stadt.

12:00 Uhr, genau richtig um das Glockenspiel des Rathauses mitzubekommen.
Jetzt muss ich nur noch mein Handy abholen und raus geht es aus Hann. Münden. Tschüss Fulda, ab hier geht es nun an der Weser entlang.

Weit kommen wir nicht, es ist warm geworden und so müssen wir unsere Sachen wechseln. DREI-FLÜSSE Kurz gestoppt, Pullover aus und weiter könnte ich, doch Richard hat mindestens zwei Hosen und genauso viele Pullover an. Das dauert, nun noch sein Knie eingerieben, etwas Sonnencreme aufgetragen und schon ist er fertig.

Knappe 25 Minuten später sind wir wieder unterwegs. Jetzt geht es gut voran.
Schnell haben wir Reinhardshagen hinter uns gelassen und halten kurz in Bursfölde an einer Tankstelle, Richards Fahrradkette quietscht so sehr sie muss geölt werden.
Fahren über Oedelsheim, Gieselwerder nach Lippoldsberg. Hier nehmen wir die Fähre über die Weser und brauchen so nicht auf der Hauptstraße durch Bodenfelde und Wahmbeck zu fahren.
Unsere Strecke verläuft auf geteerten Feldwegen, direkt an der Weser, über Wiesen und Felder.

15:00 Uhr, das ist die Zeit um die Richard wach wird und richtig in die Pedale tritt. So bin ich mir, an einer Steigung, kurz vor Wahnbeck nicht sicher, ob er an mir vorbei gedüst ist, ohne dass ich es gemerkt habe oder nur weit zurück geblieben ist. Sicherheitshalber warte ich ein Weilchen, und siehe da, Richard taucht auf.
Er hatte angehalten, um von der schönen Landschaft einige Fotos zu machen, doch jetzt können wir weiter.

Es dauert auch nicht lange und wir erreichen Bad Karlshafen. Es ist 15:30 Uhr und wir sind bis jetzt 62 km gefahren.

FÄHRE Als erstes fahre ich an eine Tankstelle, nicht um zu tanken, nein, auch meine Fahrradkette quietscht und knarrt. Durch einige Tropfen Öl, ist das behoben.
Bei unserer weiteren Fahrt entdecken wir, das Bad Karlshafen ein schönes Gradierwerk hat.
Um unseren Lungen auch mal was Gutes zu tun, nutzen wir die Gelegenheit und setzen uns davor. Nachdem wir 30 Minuten lang, solehaltigen Wassernebel eingeatmet haben, sind wir der Meinung, Dienstag schon genug feuchte Luft gehabt zu haben und uns lieber etwas zu sonnen.
Nach dem wir nun etwas für Lunge und Haut getan haben, wollen wir auch was für unseren Magen tun. Leider finden wir hier im Ort nichts und fahren deshalb um 16:15 Uhr weiter.

Im nächsten Ort, Würgassen, müssen wir das Flussufer wechseln. Es gibt die Möglichkeit eine Fähre zu benutzen oder den Weg, über die einige 100 Meter entfernte Brücke zu fahren. Ich überlasse Richard die Entscheidung.
Wir nehmen die Brücke, sie kostet nichts außer ein wenig Anstrengung. Es geht steil hinauf, was uns aber nichts ausmacht, denn wir sind lange genug im Training. Ausmachen tut uns nur eins und das ist, dass wir nichts zu essen bekommen haben.
Seit wir Bad Karlshafen verlassen haben ist Richard ungenießbar. Mault bei jeder Kleinigkeit rum und fährt immer langsamer.
WESERFELDWEG Wir fahren gerade mal 14 km/h und trotzdem ist Richard schon wieder 50 Meter hinter mir. Wenn ich noch langsamer fahre, falle ich um. Also halte ich lieber an, schreibe diese Zeilen in unser Fahrtenbuch und gebe ihm noch einen gehörigen Vorsprung.

In Beverungen, dem nächsten Ort den wir erreichen, fragen wir nach einer Möglichkeit etwas zu essen.
Eine junge Frau empfiehlt uns eine Pizzeria, gleich hier am Weserufer. Sie soll um 17:00 Uhr aufmachen. Super, also 5 Minuten gewartet. Doch nichts passiert und ein Schild mit Öffnungszeiten ist nicht zu finden. Also nochmal 5 bis 10 Minuten gewartet, es tut sich immer noch nichts. Das verbessert natürlich nicht gerade unsere Laune und so fahren wir weiter.

Mühevoll erreichen wir nach 88 km, um 18:00Uhr, Höxter. Einmal die Fußgängerzone hoch, und schon haben wir uns für einen Italiener entschieden. Pizza, das ist jetzt genau das Richtige. Sie ist bei unserem Hunger auf jeden Fall gut, wenn auch etwas zu scharf.
Hinterher noch einen Cappucino bestellt und zurück gehen lassen, einen Cappucino mit Sahne, das beim Italiener. Der zweite ist mit geschäumter Milch und demnach auch ok.

Nachdem wir nun satt und gestärkt sind, suchen wir einen Platz für unser Zelt. Laut Karte ist ein Campingplatz am Ortsrand zu finden, es ist zwar nicht die Richtung in der wir morgen weiter müssen, aber ein allzu großer Umweg ist es auch nicht.

WESERFELDWEG Nicht lange und wir haben ihn erreicht, doch an der Rezeption ist jetzt, um 19:30 Uhr niemand mehr zu erreichen. Es gibt keinen bei dem wir uns anmelden könnten, jedoch jemanden der uns Duschmarken verkaufen kann. Das 1 DM Stück, für 2 Euro. So steigen die Preise, um glatte 100 Prozent.

Da der Platz fast leer ist, haben wir die Qual der Wahl, wo stellen wir unser Zelt auf?
Hier ist das Gras zu hoch, hier zu nass, dort der Boden zu uneben und hier stehen wir in einer Zufahrt. Doch um 20:00 Uhr ist es geschafft, das Zelt steht und ist eingeräumt. Jetzt gehe ich erst einmal duschen.

Ich brauch nicht lange, die Dusche, bez. die gesamte Sanitäranlage ist unsauber und lange habe ich auch kein warmes Wasser zum Duschen. Ich schaffe es gerade mal, mich schnell einzuseifen, abzuspülen und schon wird das Wasser kalt, kein bisschen Zeit sich aufzuwärmen. Dennoch ist Richard nachher fast eine Stunde zum Duschen verschwunden, was macht der bloß so lange.
Als er endlich kommt, wird noch unsere Runde Schach gespielt und gegen 22:30 Uhr Feierabend gemacht.

  Tagesdaten:   92,00 km   5:30 Std.
  Tourdaten: 361,00 km 23:08 Std.


Freitag, 13. September

Da wir so schnell wie möglich von diesem Campingplatz verschwinden wollen, stehen wir um 7:15 Uhr auf.

Jetzt geht alles ganz schnell. Ruckzuck ist das Zelt abgebaut, alles MÜHLENBLICK-MICHA zusammen geräumt und auf die Fahrräder verstaut.

Um 7:55 Uhr stehen wir vor dem Campingplatz.
Es ist immer noch niemand von der Rezeption zu entdecken und somit betrachten wir diese Übernachtung als wild gecampt. Jetzt können wir uns Zeit lassen und essen erst einmal ein paar Birnen zum Frühstück.

8:18 Uhr es geht weiter Richtung Holzminden.
Knappe 45 Minuten brauchen wir gerade mal für die 14 km bis Holzminden. Hier wollen wir, in den etwas abseits unserer Strecke liegenden Nachbarort Stahle fahren. In dem wohnt Heinz und den wollen wir besuchen.

Heinz ist der Schwiegersohn von Richards Schwiegermutters Bruder.
Er öffnet uns die Tür und Richard behauptet, wir würden für die Hochwasseropfer sammeln. Heinz stutzt, das Ganze kommt ihm komisch vor, außerdem kommt Richard ihm irgendwie bekannt vor. Man merkt es, er ist ein weit entfernter Verwandter und so klärt Richard ihn lieber auf.
MÜHLENBLICK-RICHARD Kaum zu glauben, aber jetzt erkennt er Richard und ist sehr erfreut, Richard mal wieder zu sehen.
Wir werden herein gebeten und zum Frühstück eingeladen.

10:40 Uhr, jetzt waren wir lange genug hier, ein paar Kilometer wollen wir Heute noch schaffen, darum geht es jetzt weiter.
Erst müssen wir nach Holzminden rein, dann wieder auf der anderen Seite hinaus. Nicht gerade einfach, es ist ein echter Zickzack-Kurs, rechts, links, wieder rechts und so weiter, hätten die denn nicht einen direkteren Weg ausschildern können? Trotz dieser oder gerade wegen dieser Ausschilderung, landen wir in Allersheim.
Allersheim liegt jedoch gerade nicht auf unserer Strecke, sondern zu weit rechts von der Weser. Fahren wir lieber nach Karte, denn dort ist ein Weg eingezeichnet, der uns wieder zurück zur Weser bringen wird.

MICHA-AM-RAD Hat geklappt, kurz vor 12:00 Uhr sind wir wieder an der Weser.

Jetzt werden erst wieder einmal die Klamotten getauscht, denn es ist warm geworden.
In Rühle machen wir auf dem Campingplatz eine 10-Minuten-Pause. Sitzen auf einer Bank direkt an der Weser, genießen die Sonne und ich mache mir wieder einige Notizen.

Wir erreichen Bodenwerder nach 47 km. Es ist 13:15 Uhr und Richard fällt fast vom Rad, irgendwie ist er geschafft, also brauchen wir eine Pause.

Wir legen uns ans Ufer, zum Sonnen und Erholen auf die verlockende Wiese. Das ist auch eine gute Gelegenheit, um unser klitschnasses Zelt zum Trocknen auszulegen.
Heute Morgen hatten wir keine Zeit es zu trocknen und haben das Zelt nass eingepackt. Es wäre schlecht, wenn wir es heute Abend, genauso nass, wieder aufbauen würden.

Als wir 1 Stunde später weiter fahren, ist das Zelt schön trocken und wir erholt.

Von Bodenwerder bis nach Hameln sind es nur 25 km, das haben wir bis 15:45 Uhr geschafft. Hier wollen wir versuchen ein Schiff zu bekommen, das uns Heute noch bis nach Minden bringt. Denn mit dem Schiff, könnten wir es bis zum Abend schaffen.
Am nächsten Tag brauchten wir dann nur noch den Mittellandkanal hochfahren. Richard möchte nämlich bis Samstagabend Zuhause sein. So war es zwar nicht geplant, aber wir sind ja flexibel.

Es ist kein Schiff zu kriegen, nicht nur Heute, nein, es gibt überhaupt keine Schiffsverbindung Hameln – Minden. Darum mache ich den Vorschlag, doch noch bis Rinteln zu fahren, das wären noch schlappe 27,5km Weg.
Da rastet Richard aus. Ich wäre wohl nicht ganz dicht, so was vorzuschlagen, selbst überhaupt daran zu denken. Er will die Weser nicht runter rasen, sondern etwas von ihr sehen.
Das verbesserte nicht gerade unsere Stimmung, aber ich kenne Richard. Wenn der nicht mal motzen kann oder mir etwas vorwerfen, er ist unfehlbar, dann ist er nicht zufrieden. Es war schon immer so, am besten ist es ihn in Ruhe zu lassen, damit er sich wieder beruhigt.
So fahren wir in die Innenstadt und versuchen ein Restaurant zu finden, das um diese Zeit geöffnet hat.
Ich habe Richard schon öfter gesagt, Restaurants haben nur bis 14:00 Uhr und dann erst wieder um 18:00 Uhr auf. Doch jetzt verkneife ich mir dieses und lass uns lieber ein wenig durch die Fußgängerzone streifen.

Natürlich ist kein Restaurant offen, nur die „Nordsee“. Fisch, das will Richard nicht und so holt er sich, während ich mir was aus der „Nordsee“ besorge, eine Pizza und Salat.
Schweigend sitzen wir, an den Außentischen vor der „Nordsee“ und essen. 16:30 Uhr, 17:00 Uhr, die Zeit vergeht, wir sitzen immer noch vor der „Nordsee“, schweigen uns an und genießen weiterhin die Sonne.

Die Ruhe und das Schweigen haben es gebracht, Richard hat sich beruhigt und so verlassen wir um 17:30 Uhr Hameln, mit dem Ziel Rinteln.

Der Weg ist gut, schnell sind Fischbeck und Hessisch Oldendorf hinter uns. Dann ein kleines schlechtes Stück hinter Großenwieden und schon sind wir in Rinteln.

Kurze Zeit später erreichen wir um 19:25 Uhr auch den ersten Campingplatz.
Er ist schön angelegt und die Dame, die ihn führt sehr nett. Sie weißt uns einen Stellplatz gleich neben einem Bierpavillon zu.
2-RÄDER Das ist klasse, hier können wir gut über Nacht unsere Räder unterstellen. Unser nun schön getrocknetes Zelt, ist genauso schnell aufgebaut und eingeräumt wie wir es heute Morgen eingepackt hatten.

Für die sanitäre Anlage gibt es einen Schlüssel und dementsprechend sauber ist sie.
Nicht schlecht, selbst duschen konnte man lange und heiß, ohne etwas bezahlen zu müssen. Der Platz ist zu empfehlen.

Ins Bett kommen wir um 22:20 Uhr.
Bis dahin hatten wir uns in der Campingplatzkneipe aufgehalten, und uns mit den dort anwesenden Campern sehr nett unterhalten. Es war ein richtig gemütlicher Feierabend, bei Bier und Gesprächen.

  Tagesdaten: 105,00 km   6:37 Std.
  Tourdaten: 466,00 km 29:45 Std.


Samstag, 14. September

Da wir es Heute nicht eilig haben, können wir uns das späte Aufstehen, um 7:45 Uhr erlauben. Trotzdem sind wir schnell mit Allem fertig und fahren in die Innenstadt von Rinteln.

Wie fast jeden Morgen suchen wir uns ein Cafe, um zu Frühstücken.

Wir haben Glück, so kurz nach 9:00 Uhr haben noch nicht all zu viele Geschäfte oder Cafes offen, doch wir finden eins.
Das Frühstück ist nicht gerade toll, dafür aber etwas teurer als sonst.

Gegen 10:00 Uhr sind wir deshalb auch wieder unterwegs.
PORTABRÜCKE Die Strecke ist gut zu fahren, bis wir um 11:00 Uhr den Ort Erder verlassen. Jetzt haben wir ein sehr steiles Stück vor uns.
Die ersten Meter gehen noch, doch dann steigt Richard ab und schiebt. Ich schaffe es einige Meter weiter, aber nun wird es auch mir zu schwer. So schieben wir unsere Räder für die nächsten 100 Meter bergauf.
Nachdem die Steigung ein wenig flacher wird, versuchen wir es nochmal mit Fahren. Es klappt, zwar ist es immer noch schwer, dennoch kommen wir schneller aufwärts, als mit schieben.
Oben angekommen, brauchen wir erst eine Pause zum verschnaufen. Wir sind ganz schön geschafft, das war bis jetzt das steilste und vor allem das längste Stück bergauf. Als Belohnung geht es nun abwärts, das macht natürlich mehr Spaß als bergauf zu fahren.

Schnell haben wir Uffeln hinter uns gelassen und erreichen Porta Westfalica. Hier schießen wir kurz einige Fotos mit dem Kaiser Wilhelm Denkmal im Hintergrund.
Bis Minden ist es nur noch ein Katzensprung, den wir um 13.20 Uhr geschafft haben. Mittag, was essen wir Heute?
Das Erste was wir sehen ist ein türkisches Restaurant und das bedeutet, es gibt Döner mit Salat.
War richtig lecker, nun noch zum Nachtisch eine Cay und wir können weiter.

Nachdem es nun mit dem Schiff von Hameln nicht geklappt hatte, haben wir uns überlegt, mit einem Binnenschiffer auf dem Mittellandkanal, von Minden nach Hannover Anderten zu fahren. Das wäre bestimmt ganz interessant.

Wir fahren weiter auf unserer Strecke, immer der Weser nach und treffen so auf den Mittellandkanal. Hier kreuzen sich zwei Wasserstraßen, der Mittellandkanal überquert die Weser. Will ein Schiff von einer Wasserstraße in die andere, so muss es das Schiffshebewerk Schlachtschleuse nutzen.
PORTA-RICHARD Das werden wir uns angucken und dann die Gelegenheit nutzen, einen Binnenschiffer um Mitnahme zu bitten.
Doch leider gibt es im unteren Hafen nur ein Schiff, das bei unser Ankunft zwar offen, aber leer ist. Es ist keiner an Bord.
Etwas ratlos stehen wir rum und überlegen was wir nun tun können. Da taucht ein Radfahrer, beladen mit Lebensmittel und Getränken auf.
Wie sich herausstellt, handelt es sich um den Kapitän, den wir auch gleich fragen, ob er uns bis nach Hannover mitnehmen würde.
Für ihn wäre das kein Problem, er würde uns schon mitnehmen, denn sein Weg geht über Hannover und Elbe-Seitenkanal nach Kiel. Doch bevor er fahren kann, muss er erst noch am Montag Ladung aufnehmen. Wenn wir so lange warten wollen!
Wollen wir nicht.

Die andere Möglichkeit ist, das nachfolgende Schiff zu fragen. Allerdings weis er nicht, ob es Richtung Hannover weiter fährt. Wir müssten übrigens mit einer Fahrzeit von gut 7 Stunden rechnen. 10 Std/km ist die Höchstgeschwindigkeit die ein Binnenschiff fahren darf.
7 Stunden, nein Danke. Es ist jetzt 15:00 Uhr und bei 7 Stunden Fahrzeit kommen wir erst gegen 22:00 Uhr in Hannover Anderten an. Dann müsse Richard noch gute 30 km und ich 10 km nach Hause fahren. Wir würden also mitten in der Nacht Zuhause ankommen. Viel zu spät, da fahren wir doch lieber zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach Hause.
MINDEN-WESERKREUZ Wir bedanken uns beim Käpt‘n und sagen ihm, dass wir vielleicht, irgendwann einmal auf sein Angebot zurückkommen werden. So eine Schifffahrt ist bestimmt nicht schlecht. Auf geht’s zum Bahnhof.

Um 15:15 Uhr kommen wir, mit einem Kilometerstand von 48,5 km dort an und schon um 15:36 Uhr fährt unser Zug ab.

Eine Stunde später sind wir am Hbf. Hannover.
Großes Verabschieden ist nicht drin, wir haben Verspätung und so müssen wir uns sputen unsere Anschlusszüge zu bekommen.
Als mein Zug abfährt, sehe ich Richard noch am gegenüberliegenden Gleis stehen.

Das war es also, statt 7– 9 Tage Radtour, waren es nur 6 Tage. Alles ein wenig hektisch, sogar der Abschied, dennoch hat es mir gefallen.
Weiter als bis Minden hätte ich auch nicht an der Weser fahren müssen. Reizvoll war die Landschaft für mich nur bis Hameln, danach nur noch flach und uninteressant. Das einzige reizvolle wäre jetzt noch die Fahrt am Kanal nach Hannover gewesen, vielleicht ein anderes Mal.

Ankunft am Sehnder Bahnhof um 17:11Uhr und um 17:20 Uhr bin ich wieder zu Hause.

  Tagesdaten:   51,00 km   3:34 Std.
  Tourdaten: 517,00 km 33:19 Std.