Jetzt ist es soweit! Wir wollen, wie schon vor 3 Jahren geplant, die Elbe herunterfahren.

Nach unseren Informationen sollen die Radwege (zerstört durch das Jahrhunderthochwasser von 2001) wieder gut zu befahren sein.
Als Start unserer Tour haben wir uns die Stadt Bad Schandau im Elbe-Sandstein-Gebirge, kurz vor der tschechischen Grenze, ausgesucht. Dort ist zwar nicht die Quelle der Elbe, die liegt im Riesengebirge der Tschechei und von dort wäre die Strecke gute vier- bis fünfhundert Kilometer längerger.
Bei der kurzen Zeit die uns zur Verfügung steht ist das zu weit und wir bleiben lieber zwei Tage im Elbe-Sandstein-Gebirge und schauen uns dieses an.



27. Juni 2004, Sonntag.

Heute geht es los, es ist zwar Sonntag, aber es ging nicht früher, Richard hatte am gestrigen Abend noch einen Auftritt. HBf Leipzig
8:00 Uhr Aufstehen und der Blick aus dem Fenster verdirbt mir die Lust am Fahrrad fahren, es regnet. Man gut das wir heute nur Anreisen und nicht schon auf Tour gehen müssen.

10:40 Uhr Daniel begleitet mich mit seinem Fahrrad zum Bahnhof undfährt mit mir sogar noch bis zum Lehrter Bahnhof, wo ich mich mit Richard treffe.
Als unser Zug um 11:07 Uhr den Bahnhof verlässt, stelle ich fest das ich Daniels Regenjacke immer noch bei mir habe. Die möchte ich aber nicht auf der ganzen Tour mit mir rumschleppen, ich habe schon so genug Geäck.
Da wir über Braunschweig fahren, rufe ich bei Willi an und frage ihn, ob er die Jacke vom Bahnhof abholen könnte. Kein Problem, als wir in Braunschweig einfahren steht Willi schon am Bahnsteig und nimmt mir die Jacke ab.

Um 14:35 Uhr sind wir in Leipzig und Richard geht los um uns ein paar Stückchen Kuchen zu besorgen. In der Zeit bewache ich die Räder und mache einige Aufnahmen vom Bahnhof.
Muss schon sagen, es ist ein schöner Bahnhof, gefällt mir sehr gut. Er ist hell und freundlich, sauber und hat drei Einkaufspassagen die man durch einen Lichthof von oben einsehen kann.

Ganz anders der Bahnhof von Dresden.

Kein Wunder, hier sind sie immer noch mit den Renovierungsarbeiten, der Hochwasserschäden beschäftigt. überall Bauzäune und Baugeräte, Schmutz und Lärm. Gut das unser Zug, mit dem wir weiter müssen, nicht lange auf sich warten lässt.

Pünktlich um 16:33 Uhr kommen wir in Bad Schandau an. Das Wetter ist ganz annehmbar, zwar Bahnhofsunterführung scheint die Sonne nicht, aber regnen tut es auch nicht. An der Treppe vom Bahnsteig machen wir erst mal ein Foto, um zu zeigen, dass man sich ganz schön abmühen muss, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.
Auf kleineren Bahnhöfen gibt es so gut wie nie einen Fahrstuhl und so muss man das Fahrrad auf der einen Seite herunter und auf der anderen wieder hinauf tragen (sogar in Dresden).
Jetzt heißt es erst mal ein Zimmer finden, am besten fragen wir gleich hier an der Bahnhofsinformation danach.

Glück gehabt, die Dame an der Info ist sehr nett und versucht gleich bei einem Vermieter anzurufen. Richard am Frühstückstisch Leider geht dort niemand ans Telefon und so macht sie den Vorschlag, das sie uns ihre Ferienwohnung vermieten könnte, natürlich zu einem noch günstigeren Preis als das Zimmer.
Was bleibt uns denn bei so einem Angebot übrig außer ja zu sagen. Wir müssen nur noch warten bis die Dame von der Info Feierabend macht und dann ihrem Wagen herzufahren.
Los geht es um 18:23 Uhr und schon 10 Minuten später sind wir bei der Wohnung.

Sie hat ein großes Wohn/Schlafzimmer mit zwei Betten, Esstisch, Schrank und Fernseher, eine kleine Ecke zum Kaffee kochen und abwaschen, sowie ein kleines Bad mit Toilette und Dusche.
Was wollen wir noch mehr, dieses alles, plus zwei Bier für jeden und ein reichliches Frück mit Obst, Joghurt und Kuchen für ganze 15 Euro pro Tag/Person.

Zum Ausklang des Tages gucken wir uns das EM Fußballspiel Tschechien - Dänemark an (3:0) und gehen um 22:30 schlafen.



28. Juni 2004, Montag.

7:30 Aufstehen.
In der Nacht war es ein wenig laut, es gab ein Gewitter, doch jetzt ist es trocken und so fahren wir nach dem Frühstück, zum Einkaufen.

9:45 Uhr, wir haben alles besorgt was wir brauchen und können nun zu unserer Elbe-Sandstein-Gebirge Besichtigung aufbrechen.
Blick zum Lilienstein Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, dem Lilienstein, kommen wir an einer Jugendbildungsstätte vorbei. Hier gibt es einen Erlebnispfad den wir ausprobieren.
Auf unterschiedlichen Untergründen Barfuß laufen, sehen (fühlen) nur mit Händen, spielen auf einer Holzorgel und einiges mehr.

Um 11:00 Uhr haben wir es geschafft und stehen auf dem Lilienstein. Es hat richtig Spaß gemacht den Gipfel zu erklimmen, es war auch gar nicht schwer, überall gab es Leitern oder Geländer an dem man sich festhalten konnte.
Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick und da man ganz um den Lilienstein gehen kann, kann man auch in alle Richtungen sehen. So sehen wir weit in die Tschechei hinein, können unser morgiges Ziel, die Bastei, sehen und auch noch den Königsstuhl. Doch der schönste Blick geht auf die Elbe, flussaufwärts, einfach super die Aussicht.
Blick vom Lilienstein zur Festung Königsstein
Unser Abstieg um 12:10 Uhr, führt uns über den Kanonenweg runter zur Elbe, wo wir mit einer Gierfähre* (siehe unten) übersetzen.

In der, dem Königsstuhl zu Füßen liegenden Stadt Königstein, essen wir zum Mittag ein Döner (Richard natürlich Vegetarisch).

Gut gestärkt machen wir uns um 13:20 Uhr an den 40-minütigen Aufstieg.

Gewaltig ist der Anblick der Burg von hier oben, steil aufsteigende riesige Mauern umgeben die Burg auf dieser und alle anderen Seiten, hier konnte keiner, der nicht sollte, rein.

Doch sollte jemand erzählen, Burg und Festung Königstein seien niemals in Feindeshand gefallen - er lügt. Um Martini 1401 benahm sich Burggraf Jeschke von Dohna auf dem Adelstanz in Dresden etwas daneben. Er tanzte mit der Gattin des Ritters Rudolph von Köbitz auf Meusegast derart intim, das ihm letztgenannter ein Bein stellte, was im Gegenzug eine Ohrfeige zur Folge hatte. Markgraf Wilhelm I. von Meißen versuchte zu schlichten, was jedoch gründlich daneben ging. Wilhelm I. ließ daraufhin Burg Dohna belagern und eroberte sie 1402. Jeschke floh nach Wesenstein und von dort auf Königstein. Nach vierjähriger Belagerungszeit wurde die Burg eingenommen und Meißen einverleibt. Jeschke entkam Burg Königstein jedoch vorher und fand Unterschlupf bei König Sigismund von Böhmen. Der erinnerte sich jedoch wenig an Freundschaft und ließlig; Jeschke hinrichten.

Wir gehen zum Tor, wo wir unseren Obolus (Eintritt) hinterlassen und gelangen so bequem hinein.

Bei der Burg handelt es sich eigentlich um eine imposante Bergfestung in der Sächsischen Schweiz, auf ein 9,5 ha großes Felsplateau mit mehr als 30 z. T. unterirdischen Bauwerken aus sieben Jahrhunderten. Es gibt den tiefsten Brunnen von Sachsen (152,5 m); die älteste sächsische Garnisonskirche (1676) und einen fantastischen Ausblick auf das Elbsandsteingebirge.
Wir gehen einmal um das gesamte Plato und genießen die gute Sicht zur Bastei, dem Lilienstein und natürlich auch auf die Elbe. Sehen den Ort Prossen und sogar das Haus in dem wir bernachten.

Bevor wir uns um 17:20 Uhr an den Abstieg machen, wollen wir uns noch den tiefster Brunnen in Sachsen ansehen.

Sehr interessant:
In den Jahren 1563 bis 1569 ließ der Kurfürst August den Brunnen von Freiberger und Marienberger Bergleuten von Hand hauen, es gab keine Verletzten oder Toten beim Bau.
Der Brunnen hat einen Durchmesser von 3,5 Metern, ist 152,5 Meter tief und hat in der Tiefe von 139 Meter zwei seitliche Stollen. Er liefert ca. 8000 Liter Frischwasser am Tag.

Wieder unten in Königstein kaufen wir uns auf dem Weg zum Schiffsanleger, bei Edeka Getränke und Schokolade.
Eigentlich wollten wir die eine Station bis nach Prossen, mit einem Elbschiff fahren. Das Schiff kommt auch pünktlich, doch sind uns die 4,60 Euro pro Person für diese 5,5 Kilometer zu teuer. Wir laufen lieber, wir sind doch gut in Form.

18:45 Uhr, gerade 1/4 Stunde später als das Schiff, kommen wir in Prossen an, es war ein schöner Spaziergang und jetzt wissen wir, wo der Weg, den wir übermorgen mit dem Rad nehmen müssen, lang geht.

Für Heute gibt es nichts mehr zu tun, vielleicht noch ein wenig Schach spielen (1:1), unsere Planung für Morgen besprechen und schon ist es Zeit zum Schlafen.

Um 22:30 Uhr geht das Licht aus.



29. Juni 2004, Dienstag.

Bastei Kraxler 8:00 Uhr, etwas später als Gestern wird aufgestanden, auch wenn Richard keine Lust dazu hat. Was soll ich denn da erst sagen, ich bin kaum zum Schlafen gekommen weil Richard andauert geschnarcht hat.

Wiedergibt es ein gutes Frühstück, mit Joghurt, Obst und Kuchen. Nun noch etwas eingekauft und schon schwingen wir uns auf unsere Fahrräder, um zur Haltestelle des Basteikraxlers zu fahren.

Kaum sind die Fahrräder angeschlossen, schon kommt der Kraxler.
Der Basteikraxler ist ein auf alt getrimmter doppelstöckiger, roter Bus. Ziemlich klapprig, aber dennoch erreichen wir nach einer 40-minütigen Fahrt, die Bastei.

Bastei Hier besichtigen wir eine Burgruine aus dem Mittelalter. Klettern und fotografieren etliche Felsen, wie z.B. den Gansfelsen, die Eisenbahn und andere, sehen dabei zu wie Bergsteiger einige dieser Felsen erklimmen und lassen uns dann zum Mittag, um 13:30 Uhr vor Erschöpfung an einem Selbstbedienungsrestaurant nieder.

Es war alles so anstrengend, da dürfen wir uns ruhig Schwedenlöcher ein Stück Kuchen erlauben. Hinterher noch eine halbe Stunde auf die Bank gelegt und gesonnt. So lässt es sich aushalten. Doch wir wollen noch ein wenig sehen und machen uns auf den Weg zu den Schwedenlöchern.

Schwedenlöcher? Keine Ahnung was das sein soll.

Wie sich nachher herausstellt, handelt es sich hierbei um eine schmale Schlucht.
Es macht Spaß durch diese zu gehen, es geht ü;ber Stege, kleine Brücken und unter Felsen hindurch.
Gute 15 Minuten lang geht es steil hinab und doch haben wir das Ende nicht erreicht. Wir müssen leider umdrehen, denn um 17:48 Uhr führt der letzte Kraxler Richtung Prossen und den wollen wir nicht verpassen.
Trotz des steilen Aufstiegs sind wir gegen 15:15 Uhr wieder oben, jetzt ist es auch kein Problem mehr unseren Kraxler zu erwischen.

16:15 Uhr, wir haben Prossen erreicht, nehmen unsere Räder und fahren zum Fahrstuhl.
Der Fahrstuhl bringt uns samt Räder, 50 m den Berg hinauf. Bad Schandauer Personenaufzug zum Ortsteil Ostrau
Doch oben auf dem Berg sind wir noch lange nicht, gut eine 1/2 Stunde Fußmarsch liegt noch vor uns, aber dann ist es geschafft und wir können auf der anderen Bergseite steil herunter und durch den Ort Neuschandau nach Hause fahren.

17:20 Uhr, wir sind wieder bei der Wohnung. Haben eine schöne Wanderung und eine Radtour von 18,19 km hinter uns.
Nun wird sich ausgeruht, ein wenig Schach (remis) gespielt und Fernsehen geguckt.
Morgen wollen wir zu unserer Radtour elbeabwärts starten und dafür müssen wir fit sein.

Um 23:15 Uhr wird geschlafen.



30. Juni 2004, Mittwoch.

Heute geht sie los, unserer Radtour an der Elbe, von Bad Schandau bis nach Cuxhaven.

7:40 Uhr, Aufstehen.

Habe wieder schlecht geschlafen, aber daür müsste das gesamte Elbe-Sandstein-Gebirge jetzt Kurort Rathen mit Blick auf die Bastei baumlos sein. Richard hat die ganze Nacht gesägt, ich konnte kaum ein Auge zubekommen.
Nach dem Frühstück, während Richard abwäscht, packe ich die Räder und so können wir schon um 9:30 Uhr starten.

Wir fahren die gleiche Strecke, die wir von Königstein gekommen sind. Ganze 12 Minuten brauchen wir, wofür wir vorgestern 45 Minuten unterwegs waren.
Da keine Fähre auf unserer Seite ist, entscheiden wir uns für die alternative Strecke.

Es geht auch eine ganze Weile gut, bis sich plötzlich der asphaltierte Weg in einen Trampelpfad wandelt. Von nun ist es nicht nur matschig und steil, sondern es queren auch lauter dicke Wurzeln unseren Weg. Wenn es nicht so weit wäre, würde ich lieber umdrehen. Auch der Abstieg ist nicht besser, hier kommen noch Treppen hinzu. Doch alle Qual hat ein Ende (40 min) und wir erreichen um 10:30 Uhr den Kurort Rathen an der Bastei.
„Aufbau Ost“ in Pirna
Auf dem Weg nach Pirna, das wir um 11:15 Uhr erreichen, werden wir von einem jungen Mann angesprochen, ob wir nicht für eine Sächsische Zeitung posieren könnten.

Kein Problem, als Honorar würden wir nur gerne 1 Exemplar der Zeitung mit unserem Bild haben.
Kurz die Adresse gegeben, einige Meter zurück gefahren und schon ist die Sache erledigt.
Leider haben wir nie wieder etwas von diesem so genanten Reporter gehört und natürlich auch kein Exemplar der Zeitung erhalten.

Pirna war nicht so toll, hier wird der Satz "Aufbau Ost" wörtlich genommen. Egal wo wir fahren, unser Weg führte nur durch Baustellen.

12:15 Uhr wir erreichen das Schloss Pillnitz. Hier führt uns unser Weg durch den schönen Schlossgarten, der uns ein wenig an die Herrenhäuser Gärten erinnert. „Im Park von Schloss Pillnitz
Kurz nach den Gärten müssen wir über die Elbe. Die Zeit bis die Fähre wieder auf unsere Seite ist, nutzen wir für eine kurze Pause.

Linksseitig geht es immer in Elbnähe auf dem Radweg weiter. Passieren die Loschwitzer Brücke; die architektonisch interessante Stahlbrücke „Blaues Wunder" und erreichen um 13:15 Uhr Dresden. 44 km haben wir bis jetzt geschafft und nun wollen wir uns ein wenig die Altstadt von Dresden ansehen.

Wir kommen durch die Brühlsche Terrasse in die Altstadt und stellen fest, die Straßen sind zu voll, um mit unseren Rädern durchzufahren und die Räder anschließen und unser Gepäck alleine lassen wollen wir lieber nicht.
Frauenkirche in Dresden So gucken wir uns nur das Wichtigste an, was man eben gesehen haben muss. Wie zum Beispiel die Frauenkirche.

Auf geht es.

Sie sieht gut aus, mit ihrem erst vor ein paar Tagen neu aufgesetzten Goldenen Turm, auch wenn davor noch der Kran und die Baumaschinen stehen.
Auf dem Vorplatz sieht es nicht besser aus, auch er ist noch eine Baustelle, aber der wird sicher mit der Zeit schöner werden.

Ein Blick auf die katholische Hofkirche, das Schloss der Wettines und den Zwinger geworfen, nun bleibt uns nur noch die Semperoper.
„Semperoper in Dresden Haut uns nicht vom Hocker, wir finden unsere Oper mindestens sieht genauso gut, wenn nicht sogar besser aus. Der Sandstein ist total dunkel geworden und müsste restauriert werden.

Jetzt kurven wir noch ein wenig durch die neuer Innenstadt von Dresden, halten Ausschau nach einem Kaffee, in dem wir uns bei Kaffee und Kuchen von soviel Kultur erholen können. In einem Stehkaffee, beim Kulturpalast bekommen wir beides.

15:30 Uhr wir haben Dresden verlassen und stehen jetzt kurz hinter Radebeul vor Richard seinem Biergarten. Ohne Worte
Es ist unglaublich was für Einnahmequellen Richard so hat, das hier wollte er mir auch verheimlichen, doch zu seinem Pech liegt der Biergarten genau auf unserer Strecke.

17:00 Uhr, nach 70 km erreichen wir Meißen. Den wunderbaren Blick auf das Schloss halten wir vom Elbufer aus, auf einem Foto fest. Für die Versorgung mit Wasser und Obst für das Abendbrot machen wir einen Abstecher in die Stadtmitte.
Danach werden an einer Tankstelle unsere Fahrradketten geölt und die Reifen auf den richtigen Luftdruck gebracht.

Bevor wir Meißen verlassen, setzen wir uns am Ortsausgang auf eine Bank und essen unseren gekauften Obstsalat. Hmm, der war lecker, leider war es zu wenig.

18:15 Uhr, wir sind für heute genug gefahren und wollen uns in Seußlitz einen Platz zum Übernachten suchen.
Hinter einer Hecke auf dem Feld, etwas abseits der Straße finden wir einen guten Albrechtsburg in Meißen Platz. Er ist von der Straße kaum zu sehen und wir schlagen ohne Bedenken unser Zelt auf.

18:45 Uhr, das Zelt steht und alles ist verstaut, jetzt können wir noch mal losfahren und uns eine Gaststätte zum Waschen, Schach spielen und natürlich zum Bier trinken suchen.

Wir haben kein Glück, es gibt keine Dorfkneipe und zu allem Übel hat das Rad von Richard einen Platten. Während er langsam weiter schiebt, fahre ich vor um zu sehen, ob wir doch noch irgendwo einkehren können.

Da ich nur ein Hotel finde, setzen wir uns auf eine Bank und flicken erst mal den Reifen von Richards Rad. Nachdem das geschafft ist entschließen wir uns in das Hotel zu gehen.

„Lehmann's Seußlitzer Weinstuben" nennt es sich, was bedeutet, hier gibt es kein Bier. Gut, macht auch nichts, trinken wir eben Cola und essen ein paar Käsehäppchen.

Zurück am Zelt, wird noch Schach gespielt (1:0) und um 22:30 Uhr geschlafen.



  Tagesdaten: 89,48 km 6:02 Std. 14,84 km/h Schnitt.


1. Juli 2004, Donnerstag.

Für heute ist eine große Strecke geplant, wir wollen es bis zum Katasteramt Wittenberg schaffen. Richards ehemaliger Chef hat uns dort eine Übernachtungsmöglichkeit in seiner Zweitwohnung angeboten. Dieses ist nur heute möglich, da er am Freitag nach Hause fährt, außerdem findet heute das Betriebsfest der Landesvermessung Sachsen-Anhalt statt und dazu sind wir eingeladen.

Aufstehen früh um 6:30 Uhr. Da es nichts zum Frühstück gibt, sind wir schnell fertig und schon um 7:30 Uhr auf der Piste.

Im nächsten Ort gibt es beim Bäcker ein schnelles Frühstück und in Nünchritz, um 9:40 Uhr, noch einen kleinen Snack, bestehend aus Kiwis und Keksen.
„Möchten Sie hier wohnen?“ Steht auf dem Schild.
10:30 Uhr, Mühlberg an der Elbe erreicht. Hier will ich mir erst einmal Wund- und Heilsalbe besorgen. Ich habe mir durch die Naht an meinem Slip, den ich in der Radfahrerhose trage, den Schritt wund gescheuert. Es tut furchtbar weh und wenn das schlimmer wird, werde ich überhaupt nicht mehr im Sattel sitzen können.
Wunderbar, in derApotheke habe ich genau die Salbe bekommen, die ich haben wollte.

Bei der nächsten Rast, nutze ich die Zeit nicht nur um den Salat zu essen oder Kaffee zu trinken, sondern auch um meine Wunde zu versorgen.
Ab sofort wird kein Slip in der Radfahrerhose getragen, es ist zwar nicht so angenehm, aber es gibt so keine Naht, die weiter scheuern könnte, außerdem soll man in der Radfahrerhose nichts anziehen.

12:15 Uhr, das Wetter war bis jetzt nicht besonders, es ist immer bewölkt, aber trocken, doch bei Mehderitzsch, kriegen wir unseren ersten Schauer ab. Es regnet nicht lange.

Gegen 13:00 Uhr lassen wir Torgau hinter uns, sehen kurz danach bei Döbern unseren ersten Storch auf dieser Reise, setzen bei Dommitzsch wieder mal mit einer Gierfähre und mit der Mauken-Fähre bei Mauken/Pretsch, über die Elbe. Am Anlegesteg schnell noch ein Brötchen gegessen und weiter geht es um 15:55 Uhr.
Eine der vielen Fähren
16:50 Uhr, es ist Zeit für einen zweiten, wesentlich stärkeren Schauer, leider auf freiem Feld. Wir stellen uns so weit es geht in den Schutz eines Gebüsches, hier peitscht uns wenigstens der Regen nicht direkt ins Gesicht.

17:05 Uhr es ist überstanden und da wir unsere Regensachen nicht weit weg verstaut hatten, sind wir einigermaßen trocken geblieben.

18:10 Uhr. Die Lutherstadt Wittenberg ist fast zu sehen, da bekommen wir unseren dritten Regenguss ab.
Nachdem auch der vorüber ist und wir weiter können, dauert es nicht mehr lange und wir haben unser Ziel, das Katasteramt Wittenberg erreicht.

18:30 Uhr. Das Hoffest ist in vollem Gange. Wir werden freundlich empfangen und mit gegrillten Würstchen, Steaks, Salat und Getränken für die heutigen Strapazen entschädigt.

Gesättigt geht es um 20:15 Uhr, mit Richard seinem ehemaligem Chef, Herrn Dörring, zu dessen Wohnung. Herr Dörring ist schon guter Stimmung und zeigt sein Können mit seinem alten Rennrad.
Er gibt richtig Gas, was kein Problem ist, wenn man nicht soviel Gepäck wie wir hat und auch noch keine 100 km gefahren ist.
Ich kann gerade noch so mithalten, aber Richard ist schon weit abgeschlagen. Würde ich nicht immer Marktplatz in der Lutherstadt Wittenberg wieder auf Richard warten, hätte er uns schnell aus den Augen verloren. Da Herr Dörring aber nicht alleine fahren will, muss auch er warten bis ich wieder losfahre.

20:30 Uhr, wir sind an der Wohnung angekommen.

Unsere Räder können wir sicher für die Nacht, in den Keller stellen, doch unser Gepäck brauchen wir bei uns. Da es leider keinen Fahrstuhl gibt, müssen wir es bis in den vierten Stock tragen.

Die Wohnung ist junggesellenmäßig eingerichtet, Bett, Schrank, Tisch, Stereoanlage und PC. Also nur das Nötigste, was man so braucht. Fernseher gibt es nicht und so können wir leider nicht, wie gedacht, die Europameisterschaft im Fußball weiter verfolgen.

Herr Dörring zeigt uns wo und was wir morgen frühstücken können, wo wir duschen Tor zum Diamantentempel und schlafen können wie die Stereoanlage funktioniert, wie laut und gut sie funktioniert.
Nun haben wir gehofft er würde gleich wieder zum Hoffest zurück fahren, doch er hat noch soviel zu reden über dieses und jenes, er gibt uns noch eine Flasche Wein und weist Richard immer wieder daraufhin, Richard hätte vorher anrufen sollen, um ihm den genauen Ankunftstermin mitzuteilen. Dann hätte er noch mehr Lebensmittel besorgt und außerdem hätten wir noch einen Zug durch die Stadt machen können. Das wäre es gewesen, wir sind auch noch so fit; ein Zug durch die Stadt wäre jetzt genau das Richtige.

Gegen 21:30 Uhr fährt Herr Dörring nun doch noch zum Hoffest zurück.
Wir duschen uns nur noch und sind froh gegen 22:30 Uhr in den Schlafsack zu kommen.

2:10 Uhr, es wird ein wenig laut, das Hoffest ist zu Ende.
Unser Gastgeber kommt nach Hause, nicht mehr ganz alleine. Er gibt sich zwar Mühe schön leise zu sein, doch anscheinend war das letzte Bier schlecht und da er auf dem Weg zum Schlafzimmer und zur Toilette etwas verloren hat, muss er jetzt auch noch wischen.
Doch auch das ist irgendwann vorbei und die Nachtruhe kehrt wieder ein.

  Tagesdaten: 127,34 km   7:38 Std. 16,66 km/h Schnitt.
  Tourdaten: 216,82 km 13:40 Std. 15,87 km/h Schnitt.


2. Juli 2004, Freitag.

Kaum zu glauben, Herr Dörring steht gegen 7:00 Uhr auf. Wir wären wahrscheinlich drei Tage krank, aber wer saufen kann, kann auch arbeiten. Wir unterhalten uns nur kurz, bedanken und verabschieden uns von ihm und schon ist er auf dem Weg zur Arbeit.

Wir lassen uns Zeit und es ist schon 8:00 Uhr ehe wir aufstehen.
Jetzt wird geduscht, gemütlich gefrühstückt, die Sachen herunter geschleppt und aufs Rad gepackt.

10:15 Uhr wir sind abfahrbereit. Doch bevor wir um 11:15 Uhr Wittenberg verlassen, kaufen wir am nächsten Supermarkt Getränke, holen beim Asiaten Obst und von der Sparda-Bank Geld.
Eine Stunde und 17 km weiter, erreichen wir die Fähre in Coswig, wo wir uns, nach dem Übersetzen eine Rast im Fährkaffee gönnen.
Weiter geht es um 13:00 Uhr, doch schon 55 Minuten später müssen wir eine Regenpause machen. Wir stehen unter dem Tor des Diamantentempel, genießen unseren vorzüglichen Obstsalat und warten darauf das der Regenschauer vorüber geht.
Kurz vor Dessau fahren wir über eine schön gedeckte Holzbrücke, die Mulde, einen der etlichen Zuflüsse der Elbe. Die Elbe selbst überqueren wir erst um 16:25 Uhr, bei Aken, mit einer Fähre.

16:45 - 17:30 Uhr sitzen wir in einem Bushäuschen von Steutz und versuchen trocken zu bleiben.
Bushäuschen von Steutz Das Wetter meint es dieses Mal wirklich nicht gut mit uns, bis jetzt hatten wir nicht einen Tag Sonne, immer war der Himmel bedeckt oder es regnete, doch jetzt wird es langsam kalt und so ziehen wir uns dicker an.

Gegen 19:00 Uhr biegen wir in Walternienburg, Richtung Barby ab. An der Fähre von Barby sollte es einen Campingplatz geben, doch als wir in der Gaststätte des Fährhauses Barby danach fragen, muss man uns enttäuschen. Hier gibt es weit und breit keinen Campingplatz.

Was tun?

Ich frage den Gastwirt, ob es nicht möglich wäre, auf dem vor der Gaststätte liegenden Rasen unser Zelt aufzubauen.
Kein Problem, doch hier bei der Gaststätte oder in deren Nähe, wird kein Mensch mehr sein. Er selber fährt auch weg, da er in einem anderen Ort wohnt.
So beruhigt einen Platz für die Nacht gefunden zu haben, bestellen wir uns erst einmal ein ordentliche Portion zu Essen. Es war reichlich und gut, aber nicht gerade umwerfend, hatten mehr erwartet.

Als der Wirt seine Gaststätte schließt um nach Hause zu fahren, ist er sogar so nett und lässt das Tor zum Gaststättenhof für uns offen, damit wir die Toilette benutzen können.
Viel gibt es nun nicht mehr zu tun, nur noch das Zelt aufbauen, einräumen und schon sind wir fertig.

  Tagesdaten:   74,88 km   4:55 Std. 15,22 km/h Schnitt.
  Tourdaten: 291,70 km 18:35 Std. 15,70 km/h Schnitt.


3. Juli 2004,Sonnabend.

Um 5:45 Uhr bin ich das erste Mal wach, mir ist furchtbar kalt in meinem Fliesschlafsack. Ich hatte meinen Daunenschlafsack Zuhause gelassen, im Glauben der Fliesschlafsack würde ausreichen, doch für dieses Wetter ist er einfach zu dünn. Wer kann denn auch ahnen, dass wir nur trübes und kaltes Wetter haben.

Aufstehen um 8:00 Uhr bei Sonnenschein.
Es gibt kein Frühstück, nur Tee. Zelt eingepackt und um 9:15 Uhr geht es ab, wieder bei trübem Himmel.

Unser erstes Essen gibt es um 10:10 Uhr nach 11 km. Nicht viel, denn einen Laden zum Ein- kaufen haben wir immer noch nicht gefunden und so müssen wir uns mit einem Schokoladenkeks begnügen.

11:05 Uhr, wir haben in Pretzien endlich einen Kaufladen gefunden. Da wir noch Käse von Herrn Dörring übrig haben, kaufen wir nur Brötchen und Kuchen. Im nahen Park wird nun erst einmal ordentlich gefrühstückt. Nach einer Stunde geht es bei Nieselregen weiter.

Pechau erreicht, es ist 12:30 Uhr.

Wir machen rast, schauen uns ein Fußballspiel an und kaufen uns, zum Mittag, Bratwurst mit Kartoffelsalat. Das Ende des Spiels bekommen wir nicht mit, wir wollen lieber weiter.

Als wir um 13:20 Uhr und nach 36 km Magdeburg erreichen, gibt es zwischen Richard und mir, einen kleinen Disput.
Richard biegt von der Route ab, um auf den Deich zu gelangen, Die Elbe bei Magdeburg leider müssen wir hier einige Stufen überwinden. Als wir 100 Meter weiter auf einen Weg stoßen, der direkt zum Deich hoch führt, sage ich scherzeshalber: „Warum sind wir nicht später abgebogen, dann hätten wir hochfahren können." Das hätte ich mal lieber nicht gesagt, Richard drückt mir die Karte in die Hand und meint, ab jetzt soll ich führen.
Eigentlich will ich das nicht, aber was bleibt mir übrig. Jedes Mal, wenn ich Richtung Stadtmitte abbiegen will, sagt Richard, dass er lieber weiter geradeaus fährt. So kommen wir dann doch, durch Richard geführt, in die Innenstadt.

Bevor wir uns mit Lebensmittel eindecken, wird erst einmal ein Buchladen gesucht. Wir brauchen den zweiten Teil der Radwanderkarte Elbe-Radweg.

Schnell ist ein Buchladen und die passende Karte gefunden.
Leider müssen wir nach dem ersten Blick in die Karte feststellen, es sind bis zu unserem Ziel, Cuxhaven noch 498 km. Das ist ziemlich weit für vier Tage und das würde bedeuten, jeden Tag Die Mulde bei Dessau 125 km zu fahren. 125 km haben wir zwar schon einmal geschafft, doch so hetzen wollen wir nicht noch mal.

Kurze Lagebesprechung.
Wir entschließen uns, den Zug zu nehmen. Wenn wir von hier bis Wittenberge mit dem Zug fahren, überbrücken wir 156 km und sparen 2 Tage Fahrt.

Am Bahnhof wird erst geklärt, wann unser Zug abfährt und danach haben wir genügend Zeit zum Einkaufen.
Richard hat sich immer noch nicht von unserem Disput erholt. Als er in den Lebensmittelladen gehen will, sage ich ihm was er alles mitbringen möchte, doch bei seiner Stimmung ist das fast zu viel, beinahe hätte ich einkaufen müssen.
Nachdem alles besorgt ist, fahren wir zurück zum Bahnhof, von wo wir um 15:12 Uhr abfahren.

Ankunft um 16:40 Uhr, in Geedsgottberg. Panzerplattenweg Das ist eine Station vor Wittenberge, womit wir noch in Sachsen-Anhalt und nicht in Brandenburg sind. Würden wir bis Wittenberge fahren, müssten wir eine extra Fahrkarte für unsere Räder lösen, denn die Preisregelung der Bahn ist Sache des Bundeslandes. Außerdem ist Geetsgottberg besser, es ist nicht nur billiger, sondern sogar kürzer um wieder auf unsere Route zu gelangen.
Doch kürzer wollen wir nicht, wir haben heute schon so viele Kilometer gespart und darum biegen wir in Wahrenberg einfach mal falsch ab. Super gelungen, machen einen tollen, 10 km langen Umweg über eine schlechte Straße oder eher Feldweg mit Panzerplatten.

Wir sind nicht die Einzigen, nein wir treffen eine Gruppe von fünf Leuten die sich auch verfahren hat. Eine Weile fahren sie hinter uns her, dann drehen sie wieder um und wollen es andersherum versuchen. Wir bleiben tapfer und fahren weiter, bis wir auf die Hauptstraße gelangen und uns am nächsten Schild orientieren können. So gelangen wir über Scharpenhufe nach Pollitz, wo wir es gerade noch rechtzeitig schaffen uns in ein Bushäuschen zu stellen, bevor der Regen losbricht.
Es regnet richtig stark und unsere Gedanken sind bei der Gruppe von vorhin. Wo sind die wohl jetzt? Immer noch auf freiem Gelände, dann werden sie aber ganz schön nass oder haben sie Glück und haben einen Unterstand gefunden?
Wir stehen hier jedenfalls trocken und nutzen wie schon des öfteren die Zeit zu essen.

Gewitterwolken bei Gartow 18:20 Uhr. Da der Regen aufgehört hat und wir auch mit essen fertig sind, fahren wir weiter bis nach Wanzer, wo wir uns im Gasthaus, bei einer Tasse Tee aufwärmen.
In Aulosen überholen wir unsere Fünfergruppe, über die wir uns so Gedanken gemacht haben. Es scheint allen gut zu gehen, hatten sicher einen Unterschlupf gefunden, denn sie sehen trocken aus.
Kurz nach Aulosen verlassen wir unsere Route um Richtung Bömerzien abzubiegen. So gelangen wir über eine kürzere Strecke nach Gartow.

20:00 Uhr, wir kommen im leichten Regen am Campingplatz von Gartow an. Lassen uns in der Rezeption unseren Platz zuweisen und bestellen für morgen frische Brötchen.

Beim Zeltaufbau werden wir von einigen Männern angesprochen, wir sollten nach unserem Aufbau doch rüber zu ihnen kommen, sie hätten noch einen ganzen Topf voll Kesselgulasch.
Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, auch wenn Richard kein Fleisch essen will, es gibt sicher auch was anderes.
Herren-Turnertruppe aus Rinteln Bei den Männern handelte es sich um eine 25 Mann starke ältere Herren- Turnertruppe. Die machen jedes Jahr so eine Tour und hatten dementsprechend alles dabei.

Ein richtig großes Zelt, selbst gebaut aus dicker Plane und Baugerüststangen, extra Zelte zum schlafen, eine Bierzapfanlage, Wasseranschluss für die Zapfanlage, etliche Biergarten-garnituren, Kühlschrank und unter anderem auch für jeden ein Fahrrad, mit dem sie täglich ihre 50-80 km fahren.
Zu essen gab es nur Gulasch, was mich nicht störte. Richard sagte einfach er hätte am Vortag zu viel getrunken und nun überhaupt keinen Appetit. Dann musste er eben Bier trinken und das obwohl er den ganzen Urlaub kein Bier anrühren wollte, aber er hatte keine Begründung warum er nicht, nur nicht essen, sondern auch nicht trinken wolle.
Einmal überredet, war es auch egal ob man nun ein oder zwei Bierchen trinkt.

Es war richtig gemütlich, die Stimmung war gut, es gab reichlich zu essen und zu trinken, doch das Wichtigste war, es war trocken im Zelt.
Leider müssen wir irgendwann gehen, es ist 22:00 Uhr und wir wollen noch duschen. Danach geht es gleich ins Zelt zum Schlafen.

  Tagesdaten:   78,55 km   5:15 Std. 14,96 km/h Schnitt.
  Tourdaten: 370,25 km 23:40 Std. 15,64 km/h Schnitt.


4. Juli 2004, Sonntag.

Die Nacht war schlimm, wir hatten ein starkes Gewitter mit heftigem Regen genau über uns. Ich habe schon erwartet das der Regen durchs Zelt kommt. Doch wir hatten Glück, das Zelt blieb dicht.

Aufstehen um 8:00 Uhr und frühstücken in der Rezeption. Hier haben wir nicht nur einen Tisch, an dem wir gut sitzen können, sondern wir bekommen sogar gratis, eine Kanne starken Kaffee zum Frühstück.

Beim Nachspannen der Speichen Abfahrt vom Zeltplatz um 10:30 Uhr. Es hat uns sehr gut gefallen, der Platz war schön und wir haben jede Menge nette Leute kennen gelernt.
Das Wetter macht einen besseren Eindruck als gestern, es ist trocken.

Wieder kürzen wir unsere Strecke und fahren nicht den Bogen der Elbe, sondern gleich in Richtung Gorleben, wo wir wieder auf unsere Strecke gelangen. Jetzt geht es immer dem Elbufer entlang, hier lässt es sich gut fahren, dennoch müssen wir um 11:15 Uhr einen kurzen Stopp einlegen, ich muss meine Speichen am Rad festziehen.

Wir überqueren die Bundesstraße 191, Dannenberg-Ludwigslust. Ist schon ein komisches Gefühl, sonst fahre ich immer auf der Bundesstraße.
Den nächsten Halt gibt es von 13:00 - 13:25 Uhr kurz vor Damnatz, wir wollen uns mit Obst stärken und ein paar Bilder von den Fahrrädern machen.
Mittag machen wir um 14:30 Uhr, nachdem wir Hitzacher erreicht haben.

Eigentlich wollten wir Pizza essen, doch die Hitzacker Pizzeria hat noch geschlossen und so entscheiden wir uns für ein kleinen Imbiss mit ausländischer Küche, der leckere Gerichte im Angebot hat.

Ich bestelle mir eine Arabische Pfanne mit Nüssen, Paprika, Reis, Rosinen und Huhn, das ganze dann überbacken. Richard isst, wie immer, lieber vegetarisch und zwar die Indische Pfanne. Sie enthält Alm-Gobi-Kartoffeln, Curry, Blumenkohl und Salat.
Das war lecker, gut das die Pizzeria geschlossen hatte und wir hier gegessen haben.
Gesättigt und gut gestärkt, steigen wir wieder auf die Räder, doch selbst nach dieser Stärkung ist uns das linke Ufer der Elbe zu hügelig und so geht es um 16:00 Uhr zur Fähre von Hitzacker um überzusetzen. Für die Überfahrt müssen wir zusammen 5 Euro bezahlen, das ist bis jetzt die teuerste Überfahrt.

Das Wetter ist nicht schön, es ist sehr bewölkt und windig. Die Stecke ist auch nicht toll, erst geht es über eine kleine Landstraße und dann über einen holprigen mit Schlaglöchern und Pfützen übersäten Feldweg.
Zu allem Übel fängt es jetzt auch noch an zu regnen. Doch auch der ist mal vorbei, genau wie der Feldweg, der wird zur Straße.
Wir erreichen Darchau, doch bevor wir zum anderen Ufer übersetzen, gibt es im Fährcafé, eine Stärkung.

Die Fähre kostet diesesmal nur 3 Euro, es ist schon ein Ding, dass die Preise so einen Unterschied haben.

Mittlerweile ist es schon 18:00 Uhr und da es immer wieder regnet wollen wir uns ein Zimmer zum Über- nachten suchen.

Blick auf die Elbe vom Aussichtsturm bei Hitzacker In Walmsburg starten wir unseren 1. Versuch eine Unterkunft zu finden, doch hier gibt es hier nichts. Auch bei unserem 2. Versuch, dieses mal in Alt Garge sieht es nicht gut aus. Laut Karte sollte hier zwar ein Campingplatz sein, aber der ist nicht zu finden. Wahrscheinlich ist er nur im Sommer geöffnet.
Als wir es schon aufgeben und in den nächsten Ort fahren wollen, kommt uns eine Frau auf ihrem Fahrrad entgegen. Wir fragen ob sie uns Helfen kann, indem sie uns sagt, wo wir eventuell eine Pension oder eine Zimmervermietung finden könnten. Sieht schlecht aus, die meisten vermieten nur für mehrere Tage und was anderes gibt es im Ort nicht. Die einzigste Möglichkeit wäre eine Übernachtung im Container. Etwas verdutzt fragen wir genauer nach.
Der Container gehört ihrem Mann, steht auf ihrem Grundstück und wird von ihnen als Gästezimmer genutzt. Dort gibt es zwar keine Dusche, aber sonst ist alles vorhanden.
Hört sich nicht schlecht an, besser als bei dieser Nässe im Zelt zu schlafen. Also fahren wir mit ihr, zu ihrem Haus.

Während wir uns den Container ansehen, telefoniert ihr Mann im Ort herum, ob er für uns noch eine bessere Unterkunft findet. Doch er findet nichts und wir sind eigentlich auch ganz zufrieden mit dem Container. Es ist wirklich alles da. Es gibt einen großen Wohn-Schlafraum mit Doppelbett, eine Küche, ein kleines Bad, ohne Dusche und sogar einen Farbfernseher. Unsere Fahrräder dürfen wir in den Vorraum stellen und bezahlen brauchen wir nur 20 Euro.
Damit steht um 19:00 Uhr fest, wir bleiben hier.
Heizungen gibt es auch und wir können unsere Sachen zum Trocknen aufhängen.

Zum Abendbrot wird Tee gekocht und es sich bequem gemacht, um das End- spiel der Fußball Europameisterschaft im Fernsehen anzusehen.

Richard und ich wetten um ein Spaghettieis. Richard tippt 3 : 0 für Portugal und ich 2 : 1 für Griechenland. Das Ergebnis ist 1 : 0 für Griechenland und das Spaghettieis ist meins.

Das Spiel, die verlorene Wette und sicher auch die Frage nach einem neuen Trainer für die deutsche Nationalmannschaft, haben Richard anscheinend richtig mitgenommen. Er hat Alpträume, träumt nur vom Fußball und ruft laut nach Juppi.

  Tagesdaten:   74,36 km   4:50 Std. 15,40 km/h Schnitt.
  Tourdaten: 444,61 km 28:30 Std. 15,60 km/h Schnitt.


5. Juli 2004, Montag.

Aufstehen um 7:00 Uhr, Frühstücken und danach Aufräumen, schließlich wollen wir alles ordentlich hinterlassen.

Trotz leichtem Regen fahren wir um 8:45 Uhr los.

Hittenberger Mühle Fahren über Bleckede, schießen in Hittenbergen ein Foto von einer alten Mühle und erreichen um 10:10 Uhr Hohnstorf / Lauenburg.
Hier decken wir uns mit Obst und Wasser ein und kommen wieder einmal nicht am Bäcker vorbei ohne uns Kaffee und Kuchen schmecken zu lassen.

Um 11:20 Uhr erreichen wir den Vorort von Hamburg, Geesthacht und um 12:45 Uhr setzen wir bei Hoopte, mit der Fähre Zollenspieker, nach Hamburg-Kirchwerder über. Jetzt wird erst mal eine halbstündige Pause eingelegt.

Als es weiter geht finden wir den ausgeschriebenen Radweg nicht und verfahren uns. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als am neuen Damm entlang zu fahren, der zwar einem kleinen Umweg macht, aber uns dann doch nach Moorfleet führt. Bevor wir Moorfleet erreichen müssen wir uns, wie schon so oft, für 30 Minuten, in einem Bushäuschen unterstellen.

Kaum in Moorfleet angekommen, beeilen wir uns, um unter die Autobahnbrücke der A1 zu gelangen, denn die schwarzen Wolken Speicherstadt Hamburg über Hamburg kommen schnell näher. Gerade so geschafft, schon geht es los. Gut das wir unter einer breiten Brücke und nicht in einem kleinen Bushäuschen stehen, es regnet so stark, wir wären sicher nass geworden.
Doch auch der Guss ist nach einer halben Stunde vorbei und wir können weiter. Fahren an der Speicherstadt vorbei und erreichen gegen 16:15 Uhr, bei Sonnenschein, die Hamburger Landungsbrücken.

Weiter geht es über den Elbuferweg durch Hamburg-Altona und Blankenese.
Hier lässt es sich gut fahren, doch leider gibt es am Elbuferweg keine Geschäfte und wir brauchten unbedingt Lebensmittel für heute Abend und auch etwas zu Essen für jetzt.
Als wir einen Campingplatz erreichen, fragen wir nach, Hamburger Landungsbrücken wo man einkaufen könnte. Hier gibt es nichts, ist die Antwort, wir sollten lieber nach Rissen fahren, das ist nicht weit und dort gibt es alles.
Weit ist es nicht, doch steil. Unglaublich wie steil es hier hoch geht, dabei dachte ich immer, Hamburg sei auf dem platten Land gebaut. So kann man sich täuschen.
In Rissen angekommen, finden wir nach kurzem Nachfragen auch alles was wir brauchen. Es gibt mehrere Lebensmittelläden und auch zwei oder drei Restaurants.
Gleich geht es in die Pizzeria und dort wird erst einmal was Richtiges gegessen, schließlich sind wir schon lange genug unterwegs. Danach versorgen wir uns mit Lebensmittel und fahren dann quer durch Rissen und Schulau zur Elbe zurück.

Eigentlich hatten wir vor, uns auf dem Weg zum Pinnau-Sperrwerk, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Doch der Weg geht am Elbedeich Schifffahrtsweg Elbe–Weser (Hadelner Kanal) entlang und dort ist wildes Zelten verboten. Der gesamte Deich ist Baum und Strauchlos, es gibt nirgends eine Stelle mit Büschen, hinter der man ein Zelt etwas versteckt aufbauen könnte, außerdem ist er vollkommen eingezäunt und durch einzelne Abschnitte, in Gatter für Schafe eingeteilt. Langsam müssen wir was finden, es wird dunkel und durch den starken Gegenwind haben wir auch die Lust am Weiterfahren verloren.
Als wir bei Fährmannsand an einem Haus mit Gastronomie vorbeikommen, wollen wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit erkundigen. Wir haben Pech, die Gaststätte ist geschlossen. Doch wir brauchen jetzt unbedingt einen Platz zum Schlafen. Wir beschließen, dass Richard am Deich weiter fährt und nach einem Platz Ausschau hält, während ich versuche hier an der Gaststätte jemanden zu erwischen der uns eine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stellt.

Richard fährt los und ich mach mich auf den Weg jemanden zu finden. An der ersten Wohnungstür hab ich auch gleich jemanden erwischt, doch der junge Mann wohnt hier nur zur Miete und kann uns daher auch nicht erlauben hier auf dem Hof oder dem Grundstück zu übernachten. Ich sollte doch an der anderen Hausecke klingeln, da wohnt der Besitzer.

Gesagt und getan.

Hier erwische ich eine junge Frau, die mir erklärt, ihr Mann ist zurzeit nicht da und sie könne uns das übernachten auf dem Grundstück nicht einfach so erlauben. Als ich mich bei ihr für die Auskunft bedanke und im weggehen noch erwähne, dass es Bei Otterndorf hier weit und breit keinen Campingplatz gibt, wir schon 100 Kilometer hinter uns haben und eigentlich viel zu erschöpft sind um weiter zu fahren, soll ich einen Augenblick warten, sie würde ihn anrufen und nachfragen. Super, das finde ich richtig nett, noch besser ist die Antwort von ihrem Mann.
Wir können ca. 100 Meter vom Haus entfernt, im eingezäunten Bereich des Deiches, unser Zelt für eine Nacht aufbauen.
Als ich nachfrage wie das mit dem Zeltverbot am Deich aussieht, meint sie nur, dass ihr Mann der Deichgraf wäre und der uns das erlauben könne. Bei irgendwelchen Schwierigkeiten sollten wir nur auf ihren Mann, dem Deichgraf Körner, verweisen.
Ich rufe Richard an, er soll zurück kommen wir können hier übernachten. Bei dem Gegenwind den er hatte ist er nicht weit gekommen und jetzt mit Rückenwind, dauert es nicht lange und er ist zurück.

Um 20:45 Uhr, nachdem wir sämtliche Schafschei....haufen entfernt haben, steht das Zelt.
Jetzt erholen wir uns bei einem kleinen Spaziergang auf dem Deich von der heutigen Radstrecke, bevor wir um 22:30 Uhr Feierabend machen.

  Tagesdaten: 117,21 km   7:03 Std. 16,62 km/h Schnitt.
  Tourdaten: 561,82 km 35:33 Std. 15,80 km/h Schnitt.


6. Juli 2004, Dienstag.

7:10 Uhr ist Aufstehen angesagt, wir haben eine ruhige Nacht ohne Störungen verbracht. Da es nichts zum Frühstücken gibt sind wir schon um 8:20 Uhr wieder unterwegs. Um 9:15 Uhr erreichen wir Haseldorf, hier finden wir eine Bäckerei in der wir auch Frühstücken können.

Kurz vor dem Sperrwerk Pinnau, treffen wir auf dem Deich vier ältere Herren, die uns nach unserem Weg fragen. Als wir ihnen erzählen, dass wir über die Speerwerke Pinnau und Krückau nach Glückstadt wollen, teilen sie uns mit, das Sperrwerk Krückau ist bis auf weiteres gesperrt, da dort gebaut wird. Sie selber waren auch auf dem Weg nach Glückstadt und standen dann vor geschlossenem Sperrwerk.

Das Sperrwerk Pinnau ist zwar Ruhephase grundsätzlich offen, doch da es jetzt kurz vor 10:00 Uhr ist werden wir es nicht mehr schaffen hinüber zu kommen. Man leiht uns ein Fernglas und wir können erkennen, dass das Sperrwerk zu ist. Das bedeutet wir müssen bis 10:45 Uhr warten oder es umfahren.
Wir bedanken uns bei den Herren für die Auskunft über das Sperrwerk Krückau und fahren los.
6 Kilometer ist der Umweg um das Pinnau Sperrwerk, das ist noch zu machen, doch um das Krückau-Sperrwerk zu umfahren, müssten wir einen Umweg von ca. 27 Kilometer machen, wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir am anderem Elbufer entlang gefahren, doch nun ist es zu spät.
Wir umfahren über Klevendeich und Neuendeich das Sperrwerk Pinnau, erreichen kurz hinter Seestermühe die Abzweigung zum Sperrwerk Krückau, lassen diese links liegen und versuchen in Seesteraudeich die Fähre Kronsnest zu bekommen. Leider wird diese Fähre nur als ein Hobbyunternehmen betrieben und ist deshalb nur sonntags geöffnet.

11:50 Uhr, wir haben endlich Elmshorn erreicht und damit nicht mal die Hälfte des Umwegs geschafft.
Jetzt wird eingekauft und dann fahren wir zum Bahnhof, um uns Fahrkarten nach Glückstadt zu kaufen. Wir haben uns überlegt, da wir so einen Umweg fahren mussten, könnten wir die verlorene Zeit wieder reinholen, indem wir die Strecke Elmshorn - Glückstadt (35 km), mit der Bahn fahren.

23 Minuten dauert die Bahnfahrt, das reicht gerade um unseren gekauften Salat als Mittag zu essen.

Kaum in Glückstadt angekommen, geht es zur Fähre, auf die wir auch gleich hinauf können. Nach sechs Kilometer Überfahrt, ist um 14:00 Uhr, Wischhafen erreicht.
Im Ort, Freiburg, wird unsere Geschwindigkeit gemessen und an einer großen Tafel werden 19 km/h angezeigt. Damit haben wir die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten, sind aber für Fahrradtrackis mit einer guten Geschwindigkeit dabei.
Beim Tachostand von 79 km erreichen wir um 16:30 Uhr das Ortsschild Otterndorf. Das Ziel vor Augen, haben wir jetzt genügend Zeit eine Pause einzulegen.
Auf dem Deich, am Hafen von Otterndorf sitzend, essen wir unser Brötchen und genießen den Blick auf die hier sehr breiten Elbe.

17:00 Uhr, auf geht es, zum Endspurt.

Nachdem wir Otterndorf durchfahren haben, stehen wir wieder mal vor einem Zaun, der als Viehgatter für die hier weidenden Schafe dient. Da das Tor abgeschlossen ist, müssen wir unsere Unser Ziel, die Kugelbake Räder über eine kleine Metalltreppe, die als Fußgängerzugang dient, heben.

Am Ende der Umzäunung angekommen, stellen wir fest, dass der Ausgang abgesperrt ist und dass es auch keinen Fußgängerzugang gibt. Wir fahren zurück und entdecken einen Ausgang zum Deich. Wir sind einfach daran vorbeigefahren, obwohl dort ein Wegweiser nach Cuxhaven steht. Von hier ist es nicht mehr schwer, wir brauchen nur immer am Deich entlang fahren und landen um 18:15 Uhr direkt in Cuxhaven.

Erst mal zum Bahnhof und geguckt wann ein Zug nach Hannover fährt.
Um 19:30 Uhr würde es eine Verbindung geben, doch Richard möchte heute nicht mehr nach Hause fahren. Er meint, wir würden erst gegen 23:30 Uhr zu Hause ankommen und das ist ihm zu spät.
So suchen wir uns eine Abfahrzeit für morgen früh heraus und fahren dann, zum angrenzenden Realmarkt um ein wenig einzukaufen und etwas zu Abend zu essen.

Nach dem Essen geht es weiter. Wir müssen ja immer noch unser Ziel, die Kugelbake von Cuxhaven erreichen, und ein Platz zum Übernachten muss auch noch gefunden werden.

19:30 Uhr, wir haben das Ziel die Kugelbarke erreicht.

Als wir beim Fotografieren sind, werden wir von einem Ehepaar, das unsere Satteltaschen und Gepäck gesehen hat, angesprochen. Sie möchten gerne wissen wie weit wir es noch haben.
Nachdem wir ihnen gesagt haben, das wir am Ziel sind, müssen wir noch Auskunft über unsere Steckenerlebnisse geben. Als Gegenzug erzählen sie uns, von ihren bisherigen Fahrradtouren.
Nachdem alle Geschichten erzählt worden sind, machen sie für uns noch ein Bild, auf dem wir vor der Kugelbake zu sehen sind.
Jetzt wird es aber Zeit weiter zu fahren, es ist schon spät und wir haben immer noch keinen Platz zum Schlafen. Weiter geht es, immer am Deich entlang um irgendwo eine Ecke zu finden, in der man ein Zelt, etwas versteckt, aufbauen kann.
Es dauert nicht lange, wir finden eine passende Stelle. 50 Meter hinter dem Deich gibt es ein kleines Wäldchen, in dem wir, durch Büsche vor Sicht geschützt, das Zelt aufstellen können.

20:00 Uhr, ich will mit Aufbauen anfangen, Hinter’m Deich in Cuxhaven doch Richard findet es noch zu früh und vor allem noch zu hell. Doch ich habe keine Lust mehr und will fertig werden. So baue ich das Zelt alleine auf, während Richard noch mal los fährt, um Wasser zu besorgen.

Um 20:30 Uhr ist Richard wieder zurück und das Zelt steht.
Während wir am zelteinräumen sind, tauchen plötzlich zwei Polizistinnen auf Mountenbikes auf. Sie gucken zwar etwas skeptisch, sagen aber nichts und fahren wieder weg. Noch mal Glück gehabt, wir brauchen unser Zelt nicht abzubauen.
Richard hält mir zwar jetzt vor, dass er das Zelt erst aufbauen wollte wenn es dunkel ist, doch so haben wir das Entdecktwerden hinter uns und können beruhigt schlafen gehen.

  Tagesdaten: 103,08 km   6:46 Std. 15,23 km/h Schnitt.
  Tourdaten: 664,90 km 42:19 Std. 15,71 km/h Schnitt.


7. Juli 2004, Mittwoch.

7:00 Uhr aufstehen und alles einpacken, danach gibt es einen kleinen Snack, bestehend aus Kiwi und roher Paprika.
Daniel kommt mir entgegenvon Abfahrt um 8:15 Uhr zur Jugendherberge, die Richard gestern Abend entdeckt hatte. Hier können wir uns richtig waschen. Dann geht es zum Realkauf, um gemütlich und ausgiebig zu frühstücken.

Kurz nach 9:00 Uhr müssen wir dann aber zum Bahnhof, wo wir uns für den Zug um 9:39 Uhr ein Fahrkarte kaufen.

Pünktliche Abfahrt von Cuxhaven, je einmal umsteigen in Bremen und Hannover und schon sind wir in Lehrte.

Kurze Verabschiedung und dann fahren wir hier mit dem Rad weiter, denn bis der nächste Zug kommt sind wir schon fast daheim.
Auf halber Strecke kommt mir Daniel entgegen um mich abzuholen. Gemeinsam fahren wir zurück und sind um 13:40 Uhr wieder Zuhause.

  Tagesdaten:   15,75 km   1:02 Std. 15,16 km/h Schnitt.
  Tourdaten: 680,65 km 43:21 Std. 15,70 km/h Schnitt.



* Gierfähre Die Technik der Gierfähre erfand der Holländer Hendrik Heuck aus Nimwegen im Jahr 1657, um den Verkehr über den breiten Waal zu erleichtern.
So eine Gierponte, wie diese Fähre genannt wurde, hing an einem langen Drahtseil, das sich kurz vor der Fähre aufteilte. Ein Seilende ist am Bug und eins am Heck der Fähre befestigt.
Verändert sich nun die Länge der Enden zueinander, verändert sich auch der Anstellwinkel der Fähre zum Strom. Der Druck des anströmenden Wassers drängt so die Fähre an das entsprechende Ufer. Das Drahtseil wird im Fluss selbst verankert und für die Schifffahrt mit Bojen markiert. Damit die Fahrrinne frei bleibt, liegt der Anker für das Drahtseil nicht in der Flussmitte.